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23.5.2012

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Zuwanderer und Flüchtlinge

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Mo 8.00 - 12.00 Uhr
Mi 14.00 - 17.00 Uhr
Fr 8.00 - 12.00 Uhr

Interkulturelle Woche im Landkreis Darmstadt-Dieburg vom 16.9. - 6.10.08

Plakat der Interkulturellen Woche, auf dem sich fünf Gartenzwerge an der Hand halten

Sie hatten auch in diesem Sommer wieder ihren großen Auftritt. Auf Balkonen, in Schrebergärten, Rosenrabatten und Luxus-Gartenanlagen wurden die kleinen Kerle mit Bart, Bauch und roter Zipfelmütze gesichtet und strahlten jedem mit fröhlichem Antlitz entgegen. Symbol der Deutschtümelei, Ausdruck schlechten Geschmacks oder einfach nur hübsche Dekoration mit klassischem Wert? An Gartenzwergen scheiden sich die Geister. Dennoch. Insgesamt 25 Millionen ihrer Art zieren deutsche Vorgärten, seit sie im 1872 im thüringischen Gräfenroda als „deutsche Hartbrandwichtel“ in die Massenproduktion gingen. Ihre Hochzeit erlebten sie in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, genau zu der Zeit, als Deutschland die ersten Gastarbeiter anwarb. Übrigens, der Gartenzwerg ist keineswegs eine deutsche Erfindung. Verschiedene Quellen besagen, dass er vor etwa 700 Jahren zum ersten Mal in Kappadokien in Mittelanatolien Gestalt annahm und somit eigentlich ein Türke ist.

Gartenzwerge schmücken auch das Plakat zur diesjährigen Interkulturellen Woche, die unter dem Motto „Teil haben – Teil werden“ in mehr als 200 Städten und Gemeinden stattfindet. Erstmals beteiligt sich der Landkreis vom 16. September bis 6. Oktober an der bundesweiten Aktion, um für das gute Zusammenleben, für Verständnis und Verständigung der Kulturen zu werben. Die Plakate mit den Gartenzwergen werden deshalb bald auch in den Landratsämtern und anderen Orten des Landkreises zu sehen sein und sicherlich dem ein oder anderen ein Schmunzeln ins Gesicht treiben. „Nur selten wird das Thema Integration und Migration so witzig und humorvoll angegangen, wie es mit diesem Plakat gelungen ist“, findet Thoma Koch, Leiter der Abteilung Integration des Landkreises. Fünf Gartenzwerge stehen im Ringelreihkreis auf kurzgeschnittener Rasenidylle zusammen. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass sich zu zwei herkömmlichen Zwergenbrüdern einer mit afrikanischem Gewand und breitem Lachen, einer in chinesischer Robe und schmalen Augen und einer mit türkischem Fez und schwarzem spitzen Bart gesellt haben. Das Plakat spielt mit Klischees. Denn genauso wie viele Deutsche in ihren Gärten lieber keine Gartenzwerge sehen, kleiden sich Senegalesen, Algerier und Vietnamesen am liebsten so wie es ihnen gefällt und tragen weder Bärte noch grinsen sie wie es eine Schokoladen-Werbung unterstellt. Wer versucht, mit Schablonen wie „Afrikaner sind…“, „Türkinnen haben…“, „Chinesen machen…“ auf sein Gegenüber zuzugehen, nimmt sich und dem anderen die Gelegenheit, sich als Menschen mit eigenem Geschmack, eigenen Ansichten und eigenen Verhaltensweisen zu begegnen. Der strenge Blick auf die Andersartigkeit verhindert, dass mögliche Ähnlichkeiten entdeckt werden können. Denn letztlich gibt es doch mehr Gemeinsamkeiten als man manchmal glaubt. Jung und alt lachen, wenn Stan Laurel Oliver Hardy die Torte ins Gesicht drückt, jeder Mann ärgert sich, wenn ihm beim Snack in der Mittagspause Ketchup auf das weiße Hemd tropft, alle Mütter sind genervt, wenn ihre Kinder auch nach dem fünften Ritt auf dem Spielzeugpferd vorm Kaufhaus noch nicht nach Hause wollen - unabhängig von Hautfarbe, und kulturellem Hintergrund mit Kopftuch oder ohne. Der Kreis der lachenden Zwerge lädt ein, bei der Interkulturellen Woche dabei zu sein, gemeinsam zu lernen, gemeinsam zu feiern, miteinander zu reden.

Augen auf also bei der Suche nach dem lustigen Plakat. Es weist in Babenhausen, Dieburg, Groß-Zimmern, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Reinheim, Roßdorf, Weiterstadt und Darmstadt auf die Veranstaltungen zur Interkulturellen Woche im Landkreis Darmstadt-Dieburg hin. Soviel sei schon erwähnt: die  zentrale Veranstaltung „Integration nur ohne Kopftuch“ findet am 29. September um 17 Uhr im Landratsamt in Darmstadt-Kranichstein statt. Referentin Naime Cakir stellt die verschiedenen Deutungsmuster für dieses spezielle Stück Stoff dar und fragt nach dem Gewicht, das ihm durch immer wieder aufflammende hitzige Debatten gegeben wird.

[Flyer im PDF-Format mit Veranstaltungsprogramm...]