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Aktuelle Nachrichten aus Darmstadt-Dieburg

Nach Krankheit und Hartz IV jetzt Busfahrer

Kreisagentur vermittelt Schwerbehinderten

29.07.2010

Darmstadt-Dieburg – Frank B. aus Münster hätte vor einem Jahr nicht daran geglaubt, dass er jemals wieder arbeiten würde. Ungezählte Bewerbungen hatte der schwerbehinderte LKW-Fahrer geschrieben, alle blieben ohne Erfolg. „Nach fünf Jahren habe ich mir gesagt, ich lebe jetzt mit Hartz IV bis zur Rente“, erzählt der 48-Jährige, der eigentlich nicht der Typ ist, der resigniert. Dass sein Leben dann doch noch eine glückliche Wendung nahm, daran haben die Fachstelle für Menschen mit Schwerbehinderung und der Arbeitgeberservice der Kreisagentur für Beschäftigung tatkräftig mitgewirkt und nicht zuletzt auch HEAG mobiBus.

Der Zufall wollte, dass die Akte von Frank B. gerade auf dem Schreibtisch von Fallmanagerin Andrea Plumpe lag, als letztes Jahr auf dem Arbeitsmarkt händeringend Busfahrer gesucht wurden und deshalb Mittel für die Ausbildung von Busfahrern bereit standen. „Ich hatte bei Herrn B. den Eindruck, dass er der ideale Kandidat ist“, berichtet Andrea Plumpe, die für die Fachstelle für Schwerbehinderte arbeitet. 10 000 Euro sollte der Bus-Führerschein kosten, gut investiertes Geld für einen zuverlässigen Mann, der schon als LKW-Fahrer gearbeitet hatte, befand sie. Nach der medizinischen Untersuchung starteten Mitte Dezember Fahrstunden und Theorie und Mitte März 2010 hatte Frank B. die bestandene Busfahrer-Lizenz in der Tasche. Danach ging erneut das Bewerbungen Schreiben los, zunächst ohne Erfolg. „Es gibt ja Gott sei Dank einen Arbeitgeberservice bei der KfB, die haben sich richtig dahinter geklemmt und nach drei Monaten einen Praktikumsplatz in Groß-Zimmern für mich gefunden“, erzählt Frank B. Doch dabei sollte es nicht bleiben, man wirbelte weiter, telefonierte und schickte die Unterlagen von Frank B. an ausgewählte Unternehmen. „Irgendwann kam ein Anruf von der HEAG mobiBus, die mich zum Vorstellungsgespräch einlud“, erzählt Frank B. Zwei Wochen später hatte er die Zusage und seit dem 7. Juni fährt er jeden Bus und alle Linien für das Unternehmen. „Busfahrer ist nach wie vor für viele ein attraktiver Beruf, aber er ist auch anspruchsvoll. Denn es reicht nicht, ein Fahrzeug sicher durch den Verkehr bewegen zu können. Linien- und Tarifkenntnisse und eine entsprechende Kundenorientierung gehören unbedingt dazu. Vor seiner ersten Linienfahrt haben wir Frank B. daher noch einmal sechs Wochen lang intensiv geschult, um ihn mit unseren betrieblichen Abläufen und unseren verschiedenen Bustypen vertraut zu machen und um ihm das notwendige theoretische Wissen zu vermitteln“, erläutert Ralf Steinmetz, Geschäftsführer von HEAG mobiBus. „Inzwischen ist Frank B. für uns eine vollwertige Arbeitskraft und regelmäßig im Einsatz, und wir hoffen natürlich, dass er möglichst lange bei uns bleibt“. Das Unternehmen erhält für Frank B. einen Eingliederungszuschuss für zwei Jahre.

Auch für sein letztes Problem erhielt Frank B. Hilfe von der Kreisagentur für Beschäftigung. Je nach Dienstplan fängt der frisch gebackene Busfahrer schon morgens um 3.40 Uhr an. Von Münster mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Darmstadt zu kommen, ist um die Zeit schier unmöglich. Ein Auto anzuschaffen war bei Frank B. nach jahrelangem Hartz IV-Bezug finanziell nicht drin. Fallmanagerin Andrea Plumpe erreichte, dass Frank B. auch aufgrund seiner Gehbehinderung eine Beihilfe erhielt. Die Familie gab noch etwas dazu, so konnte Frank B. ein gebrauchtes Auto kaufen.

Er ist heute „total happy“ und froh, dass seine Geschichte voller Leiden und vergeblicher Mühen ein Ende hat. Angefangen hatte sie im November 2003. „Ich wusste nicht, was ich hatte. Ich fing an zu hinken und die Schmerzen in der Hüfte wurden immer stärker“, erinnert sich Frank B. Irgendwann war klar, sein Gelenkkopf ist total abgenutzt und er brauchte ein neues Hüftgelenk. Das Warten auf Termine für zwei Operationen an der Uniklinik Frankfurt zog sich. Seinen Job als selbständiger LKW-Fahrer musste er quittieren. Nachdem die beiden Operationen an der einen Hüfte erfolgreich überstanden waren, meldeten sich zwei Jahre später Schmerzen im zweiten Hüftgelenk und die Prozedur der OPs ging von vorne los.

Frank B. musste mit Beginn seiner Krankheit zunächst Arbeitslosengeld beantragen, 2005 folgte Hartz 4. Als beide Hüften wieder hergestellt waren, versuchte er, über eine Reha-Maßnahme wieder in das Berufsleben zurück zu kehren. Das wurde von der Rentenkasse abgelehnt und der Reha-Antrag in einen Rentenantrag umgewandelt, der ebenfalls abgelehnt wurde.

Trotz aller Rückschläge wurde Frank B nicht müde, sich zu bewerben. „Wenn sie gehört haben, 50 Prozent Schwerbehinderung… auf die Rückrufe warte ich noch heute“, schildert Frank B. seine Erfahrungen. Die Kreisagentur für Beschäftigung schlug ihm damals vor, einen Ein-Euro-Job im Second-Hand-Laden beim Deutschen roten Kreuz zu machen. „Das war herrlich, einfach wieder rauskommen und unter Leuten sein. Irgendwann verblödet man in der Wohnung, da stumpft man komplett ab“, sagt Frank B. So ein Job sei „bombastisch, also wenn jemand die Chance bekommt, sollte man die auf jeden Fall wahrnehmen“, rät er. Vorgesehen war diese „gemeinnützige zusätzliche Arbeit“ für ein halbes Jahr. Doch zwischenzeitlich war die Akte von Frank B. bei Andrea Plumpe gelandet, die diese gute Idee hatte und Frank B. zu einem sicheren Arbeitsplatz verhalf.

jj

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