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Landkreis Darmstadt-Dieburg
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Erklärung für den östlichen Kreis
Gemeinsame Erklärung
der Bürgermeister der Städte und Gemeinden Babenhausen, Dieburg, Eppertshausen, Fischbachtal, Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Messel, Münster, Otzberg, Reinheim, Roßdorf und Schaafheim und des Landrates des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Der Landkreis Darmstadt-Dieburg ist ein typischer Stadt-Umland-Kreis, dessen Entwicklung eng mit dem Oberzentrum Darmstadt verflochten ist. Während das westliche Kreisgebiet besonders von der hervorragenden Verkehrsanbindung profitiert, weist das östliche Kreisgebiet hingegen eine geringere wirtschaftliche Dynamik auf. Trotz ähnlicher Strukturen bei Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur nehmen die beiden Teile des Landkreises eine unterschiedliche Entwicklung. Um im östlichen Teil des Landkreises einen Impuls zu setzen, wird hier ein "Regionaler Dialog" initiiert. Den Auftakt dafür bildete ein Workshop am 19. Januar 2001, in dem die regionalen Akteure die Entwicklungsvoraussetzungen und -perspektiven für die dreizehn Gemeinden im östlichen Teil des Landkreises Darmstadt-Dieburg diskutierten und gemeinsame Ziele für die künftige Entwicklung dieses Kreisteils benannten. In einer "Gemeinsamen Erklärung" bekunden sie ihren Willen zum gemeinsamen Handeln auf den Feldern "Verkehr und Infrastruktur", "Wirtschaftsförderung und Kooperation", "Tourismus und Freizeit" sowie "Einzelhandel und Stadtgestalt".
Als Ergebnis des Workshops am 19. Januar 2001 erklären die Bürgermeister und der Landrat:
Zielsetzung
Die allgemeine Zielsetzung für die Entwicklung der Region ist die Stärkung der Funktionen Wohnen, Arbeiten sowie Fremdenverkehr so wie es den jeweiligen Möglichkeiten und Chancen der Gemeinden entspricht. Dabei soll ein ausgewogenes Verhältnis innerhalb der Region angestrebt werden, um die Entwicklungsfähigkeit der Gemeinden nachhaltig zu sichern und eine Überbeanspruchung der Ressourcen, zum Beispiel durch die Zersiedelung der Landschaft, zu vermeiden. Die vorhandenen Strukturen sollen erhalten, gestärkt und ausgebaut werden. Qualitatives Wachstum soll Vorrang vor quantitativem Wachstum haben.
Zur Umsetzung dieser Ziele wollen die Städte und Gemeinden ihre Kräfte bündeln und ihre Anliegen aktiv und mit einer Stimme vertreten. Sie beabsichtigen daher, eine gemeinsame Position zu entwicklungsrelevanten Fragen, zum Beispiel zum Regionalen Raumordnungsplan, zu erarbeiten. Sie wollen sich abstimmen über die Bedeutung einzelner Projekte sowie die Priorität für deren Realisierung. Nicht zuletzt muss sich der Wille zur Kooperation in der praktischen Zusammenarbeit bei der Umsetzung von Maßnahmen abbilden. Als Basis einer funktionierenden Kooperation soll ein regelmäßiger Informations- und Meinungsaustausch eingeführt werden.
Bürgermeister und Landrat sind sich darüber einig, dass die Kooperation in diesem Sinne gestärkt werden muss und stimmen darin überein, dass folgende Handlungsfelder für die Entwicklung der Städte und Gemeinden im östlichen Kreisteil im Vordergrund stehen:
Handlungsfelder und Maßnahmevorschläge
Verkehr und Infrastruktur
Maßnahmen in diesem Handlungsfeld sind darauf ausgerichtet, die Verkehrserschließung der Region zu verbessern und besondere Belastungen abzubauen. Dazu dienen Straßenbau und -ausbaumaßnahmen sowie die Erarbeitung eines integrierten Verkehrskonzeptes unter Einbeziehung der Stadt Darmstadt. Des weiteren soll die funktionale Arbeitsteilung der kleinen und mittleren Zentren sowie die interkommunale Nutzung und Finanzierung von öffentlicher Infrastruktur gefördert werden.
- Weiterentwicklung des Frankfurter Flughafens/Erhaltung der Drehscheibenfunktion
- Ausbau der B 26 zwischen Dieburg und der B 469
- Querspangen im Straßennetz nach Bayern ausbauen
- Ausbau der B 45
- Bau von Umgehungsstraßen, z. B. Babenhausen, Reinheim, Groß-Bieberau, Groß-Zimmern
- Ausbau der S-Bahn bis in das östliche Kreisgebiet
- Erarbeitung eines integrierten Verkehrskonzeptes unter Einbeziehung der Stadt Darmstadt
- Weiterentwicklung des Nahverkehrsplans des Landkreises Darmstadt-Dieburg unter Einbeziehung der Verkehrsverbindungen in die Nachbarkreise, z.B. Aschaffenburg und Offenbach
- Umstrukturierung des Darmstädter Ostbahnhofs als Verkehrsdrehscheibe für Verkehr aus dem Umland mit Direktanbindung an das Frankfurter Verkehrsnetz
- Cargo-Verkehr im Ostkreis erhalten und stärken
- Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur
- Aufbau eines Informationsnetzes "Kommunale Infrastruktur"
- Verlagerung des Landratsamtes in das Kreisgebiet
Wirtschaftsförderung und Kooperation
Eine bedeutende Rolle im Rahmen der kommunalen Wirtschaftsförderung sollte in Zukunft die verstärkte Hinwendung zu den Betrieben einnehmen, so dass durch engen, persönlichen Kontakt eine passgenaue Pflege des Betriebsbestandes erreicht werden kann. Dabei sollen die Betriebe des produzierenden Gewerbes besondere Beachtung finden, die immerhin knapp die Hälfte der Arbeitsplätze in der Region stellen. Ziel ist es, die Wirtschaftsstruktur der Region zu festigen und so Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Hierzu kann auch eine gemeinsame Ansiedlungswerbung beitragen. Für eine erfolgreiche Wirtschaftsförderung ist allerdings eine intensive Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden im östlichen Kreisgebiet notwendig. Die Kooperation muss sich sowohl auf die Formulierung gemeinsamer "Grundsatzpositionen" beziehen, als auch auf die konkrete Umsetzung von Projekten.
- Professionelles Management für die Region in Sachen Wirtschaftsförderung, Standortmarketing etc.
- Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Rhein-Main
- gegenseitige Information über Ansiedlungsanfragen
- gemeinsame Ansiedlungswerbung
- Imagewerbung für die Region nach innen und außen unter Einbeziehung der kulturellen und landschaftlichen Potenziale als Argumente für den Wohn- und Betriebsstandort
- Profilierung der weichen Standortfaktoren (Kultur, Bildung, Lebensqualität...)
- aktive, aufsuchende Pflege des Betriebsbestandes - zeitnah orientiert an den Bedarfen der Betriebe
- Analyse der Zulieferbeziehungen als Anknüpfungspunkt für Ansiedlungswerbung
- Aufbau eines Innovations- und Gründerzentrums in der Region
- Aufbau einer Berufsakademie für Informations- und Kommunikationstechnik
- Weiterentwicklung dualer Ausbildungsgänge an der FH Darmstadt/Standort Dieburg
- Systematische Erfassung aller Entwicklungsflächen für Gewerbe und Wohnen einschließlich Datenpflege
- Straffere Organisation des Standortinformationssystems (SIS), Ausbau um weitere Komponenten sowie Vernetzung mit Systemen benachbarter Regionen
- Ausweisung gemeinsamer interkommunaler Gewerbegebiete
- Einrichtung eines "Jour Fixe" der Bürgermeister
Tourismus und Freizeit
Maßnahmen in diesem Handlungsfeld dienen dazu, die erfolgversprechenden touristischen Potenziale der Gemeinden zu erkennen und zu nutzen. Damit soll die Entwicklungsbasis der Gemeinden über ihre Wohn- und Arbeitsfunktion hinaus verbreitert werden. In der Hauptsache richtet sich dieses Handlungsfeld an die Gemeinden am Odenwaldrand.
- Erarbeitung von Tourismus-Konzepten für die Städte Groß-Umstadt und Groß-Bieberau und die Gemeinden Otzberg, Fischbachtal unter Berücksichtigung der Konzepte für die benachbarte Tourismusregion, Einbeziehung des Radwegenetzes
- Kooperation und eventuell Zusammenschluss verschiedener Fremdenverkehrsvereinigungen und -gruppierungen der Region zur Koordination der Aktivitäten im Fremdenverkehr
- Bau eines Kongresshotels
- Aufwertung der Infrastruktur für die Besucher des Weltnaturerbes "Grube Messel", z. B. durch eine Multi-Media-Schau
- Koordination der Veranstaltungsangebote und gemeinsamer Veranstaltungskalender
Einzelhandel und Stadtgestalt
Schwerpunkt für den Einzelhandel ist die weitere Vermeidung von Versorgungs- und Angebotslücken - insbesondere vor dem Hintergrund der großflächigen Einzelhandelsbetriebe an den Siedlungsrändern. Besonderer Gestaltungsbedarf besteht sowohl hier als auch im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Zentren.
- Koordination der Einzelhandelsentwicklung, insbesondere für großflächige Einzelhandelsgeschäfte
- Ausbau und Koordination der mobilen Nahversorgung
- Unterstützung regionaler Erzeugung und regionaler Vermarktung
- Ortsbildgestaltung und -verbesserung



