Soziale Lage Gesundheit Geschlecht

Die Fachtagung „Soziale Lage – Gesundheit – Geschlecht“ am 24. Oktober 2007 in Griesheim, leistete einen Beitrag zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit. Gesundheitspotenziale sollen gestärkt und der fatale Zusammenhang von Armut und Gesundheit bzw. Krankheit weiter in die Öffentlichkeit getragen werden. Bedingt durch Leistungsausgrenzungen in der gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen der Gesundheitsreform, wird es zu einer verstärkten Privatisierung optimaler gesundheitlicher Versorgung kommen und diesen Zusammenhang verstärken.
Die Kategorie Geschlecht gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Diskussion um den Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheit, zumal die Unterschiede zwischen Frauen und Männern zum Teil sehr stark ins Gewicht fallen und stellt wiederum auch in diesem Zusammenhang ein Querschnittsthema da.
Neben dem Wissen über die Zusammenhänge von sozialer Lage und gesundheitlichen Auswirkungen, möchte die Tagung Anregungen für die Alltagspraxis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben.

Begrifflichkeiten wie „abgehängtes Prekariat“ oder „neue soziale Unterschicht“ schreckten im Herbst 2006 die Öffentlichkeit auf. Menschen aus dem untersten Viertel der Gesellschaft, die keine Perspektiven haben und denen es an Bildung, an Sozialkontakten und einem ausreichenden Einkommen mangelt, haben ein doppeltes Risiko zu erkranken und sterben viel früher als Menschen aus oberen Gesellschaftsschichten, so der Public-Health-Forscher Rosenbrock in der Ärztezeitung im Okt. 2006.

Bereits die 1986 verabschiedete Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung fordert die Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit. Sie benennt u.a. die Notwendigkeit Chancengleichheit auf dem Gebiet der Gesundheit zu ermöglichen, gesundheitsförderliche Lebenswelten zu schaffen, gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen zu unterstützen und hierfür persönliche Kompetenzen zu entwickeln. Zentrale Handlungsstrategie ist ein Eintreten für Gesundheit durch Beeinflussung politischer, biologischer und sozialer Faktoren.

Lebensverhältnisse beeinflussen die Gesundheit – Junge und Ältere, Frauen und Männer, alle sind davon betroffen, auf unterschiedliche Art und Weise.

Kindern  in Deutschland geht es zwar prima, so die Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit des Robert-Koch-Instituts, aber junge Menschen aus ärmeren Familien leiden häufiger unter Übergewicht und Ängsten. Auch die Shell-Jugendstudie 2006 untermauert, dass die soziale Herkunft entscheidenden Einfluss auf das Gesundheitsverhalten von Jugendlichen hat.

Arbeitslosigkeit und Gesundheit stehen in einem wechselseitigen Zusammenhang: Arbeitslosigkeit macht krank und Krankheit führt zu einem erhöhten Arbeitslosigkeitsrisiko. Die Situation von Arbeitslosen wurde durch die neuen Arbeitsmarktreformen, u.a. Hartz IV, noch verschärft, denn die soziale Lage verändert sich durch das ALG 2 ungleich mehr als durch die bisherigen Regelungen. Frauen und Männer reagieren auf  Arbeitslosigkeit unterschiedlich, die Gründe hierfür sind vielfältig.
Medikamentenabhängigkeit als typisch weibliche Sucht, stellt die Zusammenhänge von Sozialisationsverhalten, Gesundheitsverhalten und geschlechterspezifischen Lebenslagen dar. Die Medikalisierung weiblicher Biografien v.a. im mittleren Lebensalter bedarf unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure und zeigt das komplexe Zusammenwirken von pharmazeutischer Industrie, Ärztinnen und Ärzten sowie Frauen als Patientinnen.

Zielgruppen der Fachtagung waren  u.a. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unterschiedlichsten Sozialen Dienste, von Beratungseinrichtungen, Frauenberatungsstellen, Erziehungsberatungsstellen, Krankenkassen, Gesundheitsämtern, Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen.

Die Fachtagung ist ein Kooperationsprojekt der Abteilung für Chancengleichheit im Landkreis Darmstadt-Dieburg, den kommunalen Frauenbeauftragten im Landkreis Darmstadt-Dieburg, des Arbeitskreises Frauengesundheit (AKF), der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung (HAGE), Dem DRK Kreisverband Darmstadt-Stadt e.V.  und der Pro Familia Darmstadt.
Die Tagung wurde unterstützt von der AOK - die Gesundheitskasse in Hessen und Merck Deutschland Pharma.

Eine Dokumentation des Fachtages steht als PDF-Datei für Sie bereit.