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Pflege-Auszubildende in der Praxis anleiten – aber wie macht man das richtig?
Darmstadt-Dieburg. Die Praxisanleiter sind ein wichtiger Bestandteil der praktischen Ausbildung in der Pflege: Sie begleiten die Auszubildenden und führen sie schrittweise an die einzelnen Tätigkeiten vor Ort heran. Sie unterstützen Schülerinnen und Schüler sowie Studierende also dabei, das an Berufs- oder Hochschule theoretisch erworbene Fachwissen in die Praxis umzusetzen. Dabei müssen sie kommunizieren, motivieren, aber auch Kritik üben. „Es ist ein dauernder Prozess“, sagt Andreas Wolter: „Ich mache das schon lange und ich mache es gerne“, sagt der Stationsleiter der Station 3a der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg. Er ist einer von 61 Praxisanleitenden an den Kreisklinken.
Wie sie allerdings auf die Auszubildenden zugehen, das hängt nicht nur von ihrem Wissen ab, sondern auch sehr stark von ihrer eigenen Lernbiografie. „Menschen lehren nicht nur aufgrund ihres Wissens. Sie lehren auch auf Grundlage ihrer Erfahrungen“, erklärt Britta Lippmann, Leitung Personalentwicklung an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg: „Wer Anerkennung vor allem über Leistungen erfahren hat, richtet seinen Blick oft stärker auf Ergebnisse als auf Lernwege. Wer selbst erlebt hat, wie motivierend wertschätzendes Feedback sein kann, gibt diese Erfahrung häufig weiter.“
Gesucht wurde eine Situation ohne berufliche Routine
Und genau hier setzen die Praxisanleitertage an, bei denen die Lehrenden sich selbst hinterfragen, neben Teambuilding auch Kommunikation üben – und den Umgang mit Auszubildenden. So kam in diesem Jahr ein Tag auf dem Golfplatz zustande, bei dem zwar Golf gespielt wurde, es aber nie um Golf ging. „Gesucht wurde vielmehr eine Situation, in der alle Teilnehmenden wieder Anfänger sein würden. Eine Situation ohne berufliche Routine. Ohne fachliche Expertise. Ohne die Sicherheit, die durch jahrelange Erfahrung entsteht“, erklärt Lippmann.
„Es war ein gutes Gefühl, mal selbst der Unwissende zu sein“, sagt Andreas Wolter. Alle mussten wieder erleben, wie sich Lernen anfühlt. „Die Aufmerksamkeit richtete sich vor allem auf das Ergebnis. Genau wie in vielen Anleitungssituationen des Alltags“, beschreibt Lippmann. Mit den weiteren Übungen begann sich dieser Blick zu verändern, erklärt sie: „Die Teilnehmenden beschäftigten sich zunehmend mit der Frage, was tatsächlich beobachtet werden konnte und welche Bedeutung sie dem Beobachteten selbst zuschrieben. Aus schnellen Bewertungen wurden konkretere Beschreibungen. Aus Interpretationen wurden Fragen. Aus Korrekturen wurden Gesprächsanlässe. Gleichzeitig verlagerte sich der Fokus von der Leistung auf die Entwicklung. Nicht mehr der perfekte Schlag stand im Mittelpunkt, sondern die Frage: Was hat sich verändert? Was hat geholfen? Was hat Lernen unterstützt?“
Künftig stärker auf die Wortwahl achten
Bei der Bilanz erklärten viele Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter, künftig stärker auf ihre Wortwahl achten zu wollen. „Sie wollten mehr beobachten statt bewerten, mehr ermutigen statt korrigieren und Lernenden mehr Raum für eigene Erfahrungen geben“, sagt Lippmann, die mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist: „Es hat die Perspektive geändert. Dadurch entstand etwas, das jede gute Praxisanleitung ausmacht: ein tieferes Verständnis dafür, wie Lernen sich anfühlt.“
„Solche Fortbildungen bringen einen dazu, sich selbst mal mit sich und seinem Handeln auseinanderzusetzen“, sagt Andreas Wolter, sei es nun beim Golf, in Rollenspielen oder bei einer Schnitzeljagd. „Das Verständnis füreinander, aber vor allem auch für die Schüler wächst ständig.“
Betriebsleiterin Pelin Meyer schätzt Tage wie diesen, „denn am Ende kommt es ja unseren Patienten zugute. Nur wer sein eigenes Lerntempo gehen kann und dabei unterstützt wird, wertschätzend begleitet wird, der kann dies auch an die Patienten weitergeben.“ Praxisanleitung sei weit mehr als Wissensvermittlung, ergänzt Betriebsleiter Christoph Dahmen: „Praxisanleitung bedeutet, Menschen in Lernprozessen zu begleiten. Wer dies tut, sollte nicht nur wissen, wie Lernen funktioniert. Er sollte sich auch daran erinnern, wie Lernen sich anfühlt.“
tb


