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Stress, Freundlichkeit und Konzentration: Landrat Schellhaas macht sich ein Bild vom MVZ Ober-Ramstadt
Darmstadt-Dieburg. Die Situation in der hausärztlichen Versorgung in Deutschland ist nicht rosig: 5000 Hausarztsitze sind in Deutschland bereits unbesetzt. Viele Hausärztinnen und Hausärzte wollen laut einer gemeinsamen Studie von Barmer und Bertelsmann Stiftung in den kommenden Jahren ihre Arbeitszeit reduzieren oder das Berufsfeld ganz verlassen. Dazu kommen diejenigen, die regulär in den Ruhestand gehen. Insbesondere für den ländlichen Raum und Kleinstädte gibt es ein Risiko für Unterversorgung: Bis 2035 sollen es etwa 11.000 freie Hausarztsitze sein. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat dieser bereits seit längerem andauernden Entwicklung schon 2014 Rechnung getragen, als das erste der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in kommunaler Trägerschaft gegründet wurde, um einer Unterversorgung zu begegnen. Damals war es das erste in ganz Deutschland in Trägerschaft eines Landkreises. Heute gibt es sechs MVZs im Landkreis, die nicht nur hausärztliche Leistungen anbieten.
24.000 Patienten pro Jahr
In Ober-Ramstadt etwa gibt es neben der hausärztlichen Versorgung eine fachärztliche, internistische Betreuung, vor allem im Bereich Gastroenterologie und Kardiologie. Inzwischen sind es etwa 24.000 Patienten pro Jahr, die hier behandelt werden. Eine enorme Anzahl, bei sieben Ärzten und 19 Medizinischen Fachangestellten (MFAs), von denen einige in Teilzeit arbeiten, und zwei nichtärztlichen Praxis-Assistentinnen (Näpas). „Der Stresslevel bei der Anmeldung steigt von Jahr zu Jahr“, sagt etwa MVZ-Manager Alexander Noll. Denn neben der Lücke in der Versorgung springt das MVZ Ober-Ramstadt auch als Urlaubs- und Krankheitsvertretung für umliegende Praxen ein. Der Spitzenwert waren schon sieben Praxen, die vom MVZ und seinem Team über das Jahr hinweg vertreten wurden. Eine enorme Herausforderung.
Auch Hausbesuche
Um sich ein Bild von der Situation zu machen, war Landrat Klaus Peter Schellhaas nun selbst für einen Vormittag im MVZ Ober-Ramstadt. „Es ist schon bemerkenswert, was hier so los ist“, sagte er und erntete dafür Schulterzucken. „Heute ist ein ruhiger Tag“, sagte Näpa Janina Holzapfel. Hinter der Rezeption empfingen vier MFAs die ankommenden Patienten konzentriert und freundlich. „Die Aufgaben sind aufgeteilt“, sagte Alexander Noll, „wir haben speziell ausgebildete MFAs und Näpas, nicht jeder muss alles können.“ Und alles wird gebraucht in der großen Praxis, die auch Hausbesuche leistet. Aber angesichts der vielen Patienten können nicht immer alle Leistungen zeitnah erbracht und alle Terminwünsche gleich erfüllt werden.
„Man braucht Ruhe und Gelassenheit“, sagt Katharina Meyer, eine der MFAs am Empfang: „Man muss aber auch mal freundlich und respektvoll sagen, wenn etwas nicht geht. Oft sind wir das Ventil für die Probleme, die die Leute mit hierherbringen.“ Und Ruhe und Gelassenheit bedeute auch nicht langsam und träge. „Wir sind sehr konzentriert bei der Sache, denn es dürfen ja auch keine Fehler passieren“, sagt Meyer.
Kapazitäten schaffen durch Digitalisierung
Durch Digitalisierung sollen Kapazitäten geschaffen werden, denn viel Zeit geht für Verwaltung und administrative Aufgaben drauf. Die papierlose Praxis soll es geben, das System soll bis Herbst laufen. Das entlastet die MFAs, dadurch werden Kapazitäten für andere Tätigkeiten frei. Bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit einer nichtärztlichen Mitarbeiterin werden für Schreibkram verwendet. Und ständig kommen neue Vorgaben hinzu. „Dann sind die Leute enttäuscht, weil es nicht mehr so klappt wie beim letzten Mal, aber wir können nichts dafür“, sagt MFA Jasmin Vogel.
„Wir wussten schon früh, dass sich die Situation bis 2030 ohne unser Handeln dramatisch zuspitzen wird“, sagte Landrat Schellhaas: „Seither arbeiten wir sehr bewusst und kontinuierlich daran, die ambulante medizinische Versorgung der Menschen in der Region Hand in Hand mit den Niedergelassenen und Bürgermeistern sicherzustellen, aber auch uns sind als Landkreis Grenzen gesetzt. Was auf keinen Fall sein darf ist, dass die MFAs und die Näpas im Alltagsgeschäft etwas ausbaden, für das sie nichts können.“ Zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung gehöre auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für das nichtärztliche Praxisteam. „Wir sind sehr darauf bedacht, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Patienten da sind, auch Arbeitsbedingungen vorfinden, mit denen sie schnell, effizient und mit Freude ihrem Job nachgehen können“, sagt Landrat Schellhaas.
"Ihr seid den Menschen sehr zugewandt."
„Wir haben ein motiviertes Team, das die hausärztliche Unterversorgung nicht zu verantworten hat“, sagt MVZ-Geschäftsführerin Pelin Meyer. Geschäftsführer Christoph Dahmen ergänzt: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Menschen da, aber sie sind auch Menschen.“ Landrat Schellhaas war nach seinem Vormittag in der Praxis jedenfalls voll des Lobes: „Ihr seid ein tolles Team, ihr macht einen tollen Job, ihr seid den Menschen sehr zugewandt“, sagte er. Eine schöne Motivation, um auch weiterhin bei der hausärztlichen Versorgung der Menschen im Landkreis mitzuhelfen.
tb


