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Lernen mit KI: Hessencampus macht Lehrkräfte fit

Darmstadt-Dieburg. Ein Vergleich machte das Prinzip anschaulich: Wer im Fitnessstudio die Maschine die gesamte Arbeit erledigen lässt, baut selbst keine Muskeln auf. Ähnlich ist es beim Lernen. Übernimmt die Künstliche Intelligenz (KI) jede Aufgabe, wird das eigene Denken kaum trainiert. Richtig eingesetzt kann sie dieses Training jedoch unterstützen.

KI kann Texte schreiben, Fragen beantworten und Aufgaben lösen. Doch was passiert, wenn sich Schülerinnen und Schüler zu sehr darauf verlassen und immer weniger selbst denken? Und wie lässt sie sich so einsetzen, dass sie beim Lernen hilft? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 50 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte beim „Live Learning mit KI“ des Hessencampus Darmstadt-Dieburg.

Im Kreistagssitzungssaal wurde dabei nicht nur über KI gesprochen. Die Teilnehmenden probierten selbst aus, entwickelten Aufgaben und prüften Antworten der KI. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Pädagogen, aber auch Schülerinnen und Schüler die Technik nutzen können, ohne ihr blind zu vertrauen.

„Unser Ziel sollte sein, dass wir lernen, die KI zu führen – und nicht sie uns“, sagte Kristin Lesch, Pädagogische Leitung des Hessencampus. Der Wert liege nicht allein im Ergebnis, das die KI erzeugt. Entscheidend sei auch, wie man vorgeht: die richtigen Fragen stellen, die Antworten hinterfragen und am Ende begründen können, ob sie stimmen und brauchbar sind.

KI soll das Denken nicht ersetzen

Referent Alexander Ries, Digitalisierungsexperte und KI-Berater, zeigte, wie KI zum Lernbegleiter werden kann. Sie kann Rückfragen stellen, Hinweise geben, unterschiedliche Lösungswege erklären oder zusätzliche Übungen anbieten.

Der Unterschied liege darin, ob die KI für einen arbeitet oder mit einem. Schülerinnen und Schüler müssten deshalb lernen, klare Fragen zu stellen, Antworten zu hinterfragen und Fehler zu erkennen. Denn auch überzeugend formulierte Antworten einer KI können falsch sein. Das Überprüfen koste zwar Zeit, räumte Ries auf Nachfrage ein. Zugleich könne die KI Lehrkräften aber Arbeit abnehmen, etwa bei der Vorbereitung von Aufgaben oder Übungsmaterial. Die gewonnene Zeit solle wiederum dafür genutzt werden, Schülerinnen und Schüler gezielt im Umgang mit der KI zu begleiten und zu fördern.

„Ich sehe eine wichtige Aufgabe des Hessencampus darin, Orientierung zu geben und Menschen dabei zu unterstützen, Veränderungen in Bildung und Arbeitswelt selbstbestimmt zu gestalten“, sagte Anja Simon, Leiterin der Volkshochschule und des Schulservice des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Hessen bringt KI als Pflichtfach in die Schule

Das Thema gewinnt weiter an Bedeutung: Hessen führt zum Schuljahr 2027/28 das Fach „KI und Digitale Welt“ verpflichtend in Jahrgangsstufe 5 ein. Ein Jahr später folgt Jahrgangsstufe 6. Dabei sollen unter anderem Medienbildung, informatische Grundlagen und ein reflektierter Umgang mit Künstlicher Intelligenz vermittelt werden.

Der Landkreis greift diese Entwicklung mit dem Hessencampus bereits heute auf. Der gemeinsame Bildungsverbund der Volkshochschule Darmstadt-Dieburg und der Landrat-Gruber-Schule Dieburg bringt Bildungsakteure zusammen und eröffnet Raum, neue Entwicklungen praktisch zu erproben. Ergänzend bietet das Medienzentrum Dieburg am 20. und 27. Oktober jeweils von 13 bis 14 Uhr eine Medienpädagogische Sprechstunden und Fortbildungen an (www.medienzentrum-dieburg.de). Lehrkräfte können zudem die Fortbildungsangebote der DEXT-Fachstelle nutzen (www.ladadi.de/dext).

Denn entscheidend ist nicht, dass Schülerinnen und Schüler KI nutzen, sondern wie sie damit umgehen. KI kann beim Lernen helfen. Die eigentliche Denkarbeit aber bleibt beim Menschen.

mm

Beim „Live Learning mit KI“ des Hessencampus probierten rund 50 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte im Kreistagssitzungssaal aus, wie sich die Technik sinnvoll im Unterricht einsetzen lässt.