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Stadt Darmstadt und Landkreis planen eine Verbesserung des Gymnasialangebots
Darmstadt-Dieburg. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Wissenschaftsstadt Darmstadt haben sich darauf verständigt, die 2020 neu gefasste öffentlich-rechtliche Vereinbarung über die Aufnahme von Messeler und Mühltaler Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe fünf an Darmstädter Schulen einvernehmlich aufzulösen, die zuvor in öffentlich-rechtlichen Vereinbarungen 1984 und 1997 festgehalten worden war. Hintergrund der geplanten Vertragsauflösung ist der Wunsch beider Schulträger, die Nachfrage nach gymnasialen Schulplätzen besser bedienen zu können. Durchschnittlich sind in den vergangenen fünf Jahren etwa 200 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis in Jahrgangsstufe 5 an eine Darmstädter Schule gewechselt. Rund 80 Prozent davon an ein reines Gymnasium.
„Bei dieser Menge von Schülerinnen und Schülern drängte sich die Frage auf, ob ein eigenes Gymnasium im Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht die bessere Lösung für beide Schulträger wäre“, sagt Lutz Köhler, Vize-Landrat und Schuldezernent des Landkreises Darmstadt Dieburg. Holger Klötzner, Schuldezernent der Wissenschaftsstadt Darmstadt hierzu: „Der Landkreis und die Stadt öffnen seit jeher ihre Schulen für Schülerinnen und Schüler der jeweils anderen Gemarkung. Das soll prinzipiell auch so bleiben. In Anbetracht der sehr guten Anwahl der Darmstädter Gymnasien wird es jedoch Zeit, weitere Kapazitäten zu schaffen. Es ist im Sinne der Schülerinnen und Schüler, wenn diese Kapazitäten direkt im Landkreis aufgebaut werden.“
Ich halte den Weg für den richtigen
Darmstadt finalisiert aktuell den Schulentwicklungsplan für die Jahre 2026 bis 2030. Im Entwurf ist die Kündigung der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zum Schuljahr 2030/31 vorgesehen. Aktuell befindet sich die Vorlage in der Beteiligungsphase, die Beschlussfassung wird voraussichtlich noch in diesem Jahr erfolgen. „Die Kündigung steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt der finalen Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung in Darmstadt, jedoch halte ich diesen Weg für den richtigen“, so Klötzner.
Bewerbungen nach Darmstadt weiterhin möglich
Durch Aufkündigung des Vertrags können sich Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis ab dem Schuljahr 2030/31 weiterhin für eine Aufnahme an Schulen in Darmstadt bewerben, es gibt jedoch keinen Anspruch mehr auf die Aufnahme aus den Kommunen Messel und Mühltal. „Wir stehen weiterhin zu dem regen Austausch zwischen Stadt und Landkreis, wie wir ihn ja auch bei anderen Schulformen haben. Eins ist aber sicher: Jedes Kind, das in Darmstadt eingeschult wird, kann auch nach 2030 dort auf der Schule bleiben. Niemand muss die Schule wechseln, wenn die Vereinbarung beendet ist“, sagt der Darmstädter Schuldezernent Holger Klötzner. Wo auch immer das neue Gymnasium stehen werde: „Wir werden für alle Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis, die dann nicht mehr nach Darmstadt gehen können, eine möglichst wohnortnahe Schule finden. Für Messel könnte das zum Beispiel die Goetheschule in Dieburg sein“, sagt Köhler.
„Wir müssen umdenken und neue Voraussetzungen schaffen. Und genau das haben wir im Landkreis vor“, sagt der Vize-Landrat: „Wir haben bereits eine klare Vorstellung davon, wie wir die Verbesserung herbeiführen: mit einem neuen Gymnasium.“ Dieses müsse natürlich erst mit dem Wirtschaftsplan 2027 des Da-Di-Werks beschlossen und zudem die Gründung der Schule durch das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen genehmigt werden.
Wir setzen auf strategische Schulentwicklung
Die neue Schule werde aber, so Köhler weiter, wenn sie gebaut ist, den Schülerinnen und Schülern aus dem Landkreis eine Option bieten, bei der mitunter auch kürzere Schulwege anfielen und sei vor allem angesichts der derzeitigen Situation ein zukunftsfähiges Modell. „Wir setzen auf strategische Schulentwicklung und langfristige Lösungen, die über Jahre tragen.“
Standort steht noch nicht fest
Der Standort des neuen Gymnasiums steht noch nicht fest, „aber wir prüfen derzeit mehrere Grundstücksoptionen“, erklärt Köhler. Zu einer „klaren Vorstellung“ gehören natürlich auch schon entsprechende Berechnungen, die auch die Auswirkungen auf die jeweils umliegenden Schulen und Gymnasien mit einbezogen haben. „Es geht nicht um eine Standortdiskussion, wir wollen niemand etwas wegnehmen, sondern ein zusätzliches Angebot machen“, sagt Köhler: „Und bei unseren Überlegungen haben wir nicht nur an die Gymnasien gedacht, sondern auch an den Haupt- und Realschulzweig. Wir werden für jedes Kind einen geeigneten Platz finden.“
Ein steigender Bedarf im weiterführenden Bereich wird auch aus dem neuen Jahresbericht Schülerzahlenentwicklung ersichtlich, der im Herbst veröffentlicht wird. „Der Bedarf ist also vorhanden“, sagt Lutz Köhler, „wir sind ja verantwortlich dafür, dass allen Kindern und Jugendlichen sowie dem pädagogischen Personal gute Möglichkeiten zum Lernen und Lehren gegeben sind. Und dieser Verantwortung kommen wir nun angesichts der veränderten Rahmenbedingungen nach. Die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Darmstadt resultiert ja nicht zuletzt daraus, dass wir Probleme gemeinsam angehen und dann auch gemeinsam handeln.“
tb
Der Landkreis will ein neues Gymnasium bauen, um das Angebot für die Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Foto: mit KI erstellt


