Presse-Archiv 2001

Patientenfürsprecher kümmern sich um jede Beschwerde

Lieber Wurst als Käse

28.05.2001

Seeheim-Jugenheim/Groß-Umstadt - Die Klopapierrolle hängt zu weit weg. Zum Frühstück soll es lieber Wurst als Käse geben und Schwarzbrot statt Brötchen. Außerdem würden dem Garten ein paar Blumenrabatten gut stehen. Es sind die unterschiedlichsten Klagen, die Robert Middel bei seinen Rundgängen durch das Kreiskrankenhaus in Jugenheim zu Ohren kommen - und er nimmt sie alle gleich wichtig. Middel, 66 Jahre alter Pensionär aus Bickenbach, arbeitet seit vorigem Jahr als Patientenfürsprecher und ist gewissermaßen wandelnder Kummerkasten und Ölkännchen im Verhältnis zwischen Kranken und Personal. Der Kreistag hat ihn und den 61-jährigen Rentner Karl Daab aus Groß-Zimmern, der die gleiche Aufgabe im Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt wahrnimmt, jetzt für weitere fünf Jahre mit dem Ehrenamt beauftragt.

Seit mehr als zwanzig Jahren bereits praktiziert der Landkreis in seinen beiden Kliniken diese Form des Beschwerdemanagements, um aus Patientensicht Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten zu erhalten. „Wir möchten, dass sich die Kranken angenommen und gut aufgehoben fühlen“, sagen Daab und Middel, die jeweils einmal in der Woche - immer dienstags - zur „Visite“ kommen. Sie schauen in die Zimmer, fragen Patienten auf dem Flur, in der Cafeteria oder beim Spaziergang im Freien, was ihnen - jenseits von medizinischen Befunden - am Herzen liegt. Es sind keine wirklich weltbewegenden Probleme, sondern eher kleine Ärgernisse oder klimatische Störungen im Zwischenmenschlichen, die da vorgetragen werden. Der Pfleger schaut manchmal so grimmig. Der Bettnachbar schnarcht. Oft trägt schon ein Gespräch zur Entspannung bei, mitunter, etwa bei der Verpflegung, fehlt schlicht die Information über die vorhandenen Wahlmöglichkeiten. Hier zum Beispiel können die Patientenfürsprecher aufklären. Oder sie veranlassen, dass die verwitterte Parkbank frisch gestrichen wird. Der vermeintliche „Wildwuchs“ im Garten aber bleibt: Was manchem Betrachter als trostlos erscheint, nennt der Träger „naturbelassen“. Die meisten Dinge lassen sich schnell regeln, andere dauern länger: Die sanitäre Ausstattung im Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt etwa, ein altes und immer wieder beklagtes Manko, soll bei den Beschwerde- Sprechstunden bald keine Rolle mehr spielen. Mit hohem finanziellen Aufwand lässt der Kreis dieses Jahr - endlich, wie Landrat Alfred Jakoubek einräumt - so genannte Nasszellen einbauen. Damit haben die wenig komfortablen Stationstoiletten und Waschnischen in den Zimmern ausgedient. Nach einem Jahr Praxis resümieren die beiden Patientenfürsprecher, es werde viel mehr gelobt als getadelt. Vor allem die „angenehme Hotelatmosphäre“ und die „sensationelle Aussicht von der Dachterrasse“ im Kreiskrankenhaus Jugenheim, die „optimalen“ Einkaufsmöglichkeiten, das Café und der Freisitz in der Groß-Umstädter Hessenklinik lassen Patienten geradezu schwärmen. Über das  Essen, die Aufmerksamkeit und Fürsorge von Ärzten und Pflegekräften in beiden Häusern äußere sich der weitaus überwiegende Teil der Kranken sehr zufrieden. Daab und Middel ihrerseits wären zufrieden - und dafür engagieren sie sich -, wenn alle Entlassenen die Kreiskrankenhäuser weiterempfehlen würden.

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