Presse-Archiv 2001

Beschäftigungsmaßnahmen des Kreises sind ein Renner

Licht am Ende des Tunnels

09.08.2001

Darmstadt-Dieburg. – Seit 15 Jahren engagiert sich der Landkreis bei Beschäftigungsmaßnahmen, um sozial Benachteiligten neue Chancen aufzuzeigen. Die Sozial-Bilanz kann sich sehen lassen: Aus einer befristeten Beschäftigungsaktion im Jahr 1986 wurden 16 vom Landkreis zurzeit  unterstützte Programme. Diese haben sich als Volltreffer erwiesen, knapp 450 Teilnehmer seit 1986 sind nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen und zum größten Teil Arbeitsverhältnisse eingegangen oder haben Ausbildungen und Umschulungen begonnen. „Damit haben wir rund 42 Prozent der Maßnahme-Teilnehmer in Lohn und Brot gebracht“, freut sich Landrat Alfred Jakoubek, „das ist eine tolle Bilanz“. Es sei richtig, dass der Landkreis bei der Beschäftigungsförderung nicht nachgelassen habe. „Nicht die Arbeitslosigkeit muss finanziert werden, sondern die Arbeit“, sagt Jakoubek und versichert, dass der Kreis auch in Zukunft seinen Beitrag leisten werde. Er sei dagegen, dass man in der öffentlichen Diskussion schnell über Sozialhilfeempfänger ein Pauschalurteil fälle. „Mancher, der heute am Stammtisch abschätzig über sozial Benachteiligte redet, kann nicht sicher sein, dass er morgen noch seine Arbeit hat“, warnt der Kreis-Chef.
Dass die Kreisregierung das Dauerthema Arbeitslosigkeit und die kostenintensive Sozialhilfe mit Vehemenz angeht, hat freilich nicht nur fürsorgerische Gründe. Die Investitionen von derzeit rund drei Millionen Mark pro Jahr in die Beschäftigungsmaßnahmen rechnen sich mittelfristig. Allein im Jahr 2000 konnten knapp 1,2 Millionen Mark an Sozialhilfe eingespart werden, und die Sozialversicherungsträger haben zudem neue Beitragszahler. Eine Tatsache, die selbst der als kritisch bekannte Landesrechnungshof lobend hervorhob, weil es eine kurze Amortisationszeit gebe. Damit in Zukunft noch mehr geholfen werden kann, hat der Kreisausschuss kürzlich für die nächsten Jahre Geld bewilligt. Insgesamt 223 000 Mark werden in das Projekt für arbeitslose Jugendliche und Erwachsene „Renovieren und Sanieren“ (ReSa, bis Juli 2002) gesteckt, 615 000 Mark wurden für das „Hessische Aktionsprogramm Regionale Arbeitsmarktpolitik“ (HARA, bis 2003) bewilligt, rund 100 000 Mark gibt es für das Landesprogramm „Arbeit statt Sozialhilfe“, und schließlich investiert der Landkreis in die „Qu@lifizierungsoffensive“ bis 2003 rund 271 000 Mark.
Der Landkreis sieht sich aus gutem Grund nicht nur als reine Zahlstelle für die Sozialhilfe, sondern auch als Motor für die Hilfe zur Selbsthilfe. Geschaffen wurde ein breites Instrumentarium, um auf „Stütze“ und Unterstützung Angewiesene zu fördern und ihre Aussicht auf regelmäßige Arbeit zu  verbessern. Basis aller Perspektiven ist die dem Landrat direkt zugeordnete Stabsstelle zur Beschäftigtenförderung, die sich als Bindeglied zwischen Sozialamt, Arbeitsverwaltung und den Trägern von Bildungs- und Beschäftigungseinrichtungen versteht. Referatsleiter Jürgen Dörsam hat mit seinen sechs Mitarbeitern fast einen Bauchladen an Aktivitäten und Projekten anzubieten. 16 unterschiedliche Programme – maßgeschneidert nach persönlichen Problemlagen, Alter, Voraussetzungen und Eignung – verbessern die Chancengleichheit für Benachteiligte und vermeiden soziale Härten. Seit Jahren arbeiten zudem benachbarte Behörden, Arbeitsamt und gemeinnützige Einrichtungen eng zusammen.Beispielsweise gibt es bei den Arbeitsämtern in Darmstadt und Dieburg eine mit jeweils einem Mitarbeiter des Sozialamts besetzte „Dependance“ des Kreises. Diese so genannte Kreisarbeitsvermittlung berät und vermittelt arbeitslose Sozialhilfeempfänger und profitiert inzwischen auch von den Segnungen des Internets. Auch in der Zukunftsregion Starkenburg bestehen Kooperationen, zum Beispiel bei den Projekten „Job-Rotation“ oder „Busfahrer für den öffentlichen Nahverkehr“.
Vorrangig gefördert werden Langzeitarbeitslose, Ungelernte, Berufsrückkehrerinnen und Jugendliche. Während die Programme „Hilfe zur Arbeit“ oder „Arbeit statt Sozialhilfe“ schon lange die Dauerbrenner im Landkreis sind, kamen in den letzten Jahren Projekte wie „Attraktivere Bahnhöfe“ (Langzeitarbeitslose pflegen und verschönern Personen-bahnhöfe), die Beschäftigungsprojekte „ReSa“ (Renovieren und Sanieren der kreiseigenen Schulen) und AZUR GmbH (Recycling von Elektro-Schrott) oder die „Qu@lifizierungsoffensive Hessen“ (Weiterbildung von Mitarbeitern kleinerer und mittlerer Unternehmen) hinzu. Eine gute Resonanz hatten auch die vom Kreisfrauenbüro organisierten Berufsorientierungskurse für Frauen und die mobile Beratung und Information zur Erwerbstätigkeit von Frauen (BIEF). Alleine bei BIEF weist der Terminkalender für 2001 31 Beratungsvormittage aus, an denen etwa hundert Berufsrückkehrerinnen eine qualifizierte Beratung erhalten.
Einen wichtigen Beitrag leistet auch die Jugendberufshilfe des Landkreises. Vier Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sind auf Beratungstour, um Jugendliche zu motivieren und um neue Perspektiven aufzuzeigen. Dabei  wird den Jugendlichen mit schlechten Chancen nicht nur ein verbaler Rettungsanker ausgeworfen, die Fachstelle Jugendberufshilfe koordiniert zusammen mit dem Arbeitsamt Angebote vom Computerkurs über einjährige Lehrgänge zur beruflichen Orientierung bis zur dreijährigen Ausbildung. Außerdem gehen die Berater verstärkt in Schulklassen, um einem Abdriften der Schüler und Schülerinnen vorzubeugen. 205 Jugendliche konnten im ersten Halbjahr 2001 unter die Fittiche genommen werden, 32 davon stehen in Ausbildung und Arbeit, 23 begannen berufsvorbereitende Maßnahmen, 13 sind in weiterführenden Schulen. Der Rest ist entweder verzogen, steht noch im Beratungsprozess oder leistet ein freiwilliges soziales Jahr ab. Nur 14 Jugendliche haben den Kontakt abgebrochen. Schließlich ermöglichen Kurse bei der Kreis-Volkshochschule den nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen.
Weitere Anreize bieten Vermittlungsprämien für Kooperationspartner und im Rahmen der „Förderung der Arbeitsaufnahme“ Lohnzuschüsse für Arbeitgeber (ein Jahr lang 300 bis 600 Mark im Monat). „Die Resonanz hierzu könnte allerdings besser sein“, bemängelt Landrat Jakoubek geringes Interesse. Neben der Beschäftigungsförderung stehen auch die Mitarbeiter des sozialen Dienstes des Sozialamts Hilfeempfängern mit Rat und Tat zur Seite. 506 sozial Benachteiligte konnten 2000 im ersten Arbeitsmarkt untergebracht werden. Nicht zuletzt ist der Landrat in diversen Fachgremien beim Arbeitsamt, wie zum Beispiel beim ABM- Ausschuss oder bei der Regionalen Arbeitsmarktkonferenz, am Drücker in Sachen Beschäftigungsförderung.
pt

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