Presse-Archiv 2003

Pauschale für Betreuer soll empfindlich gekürzt werden

Menschlichkeit bleibt auf der Strecke

08.10.2003

Darmstadt-Dieburg - "Wo bleibt die Menschlichkeit", fragt Landrat AlfredJakoubek angesichts von Plänen der Bundesregierung, die Aufwandspauschale für ehrenamtliche Betreuer im Zuge der geplanten Reform des Betreuungsrechts um mehr als vierzig Prozent zu kürzen. In seiner Funk tion als Präsident des Hessischen Landkreistags hat sich Jakoubek ausdrücklich gegen die geplante Sparmaßnahme ausgesprochen. Ein derart radikaler Einschnitt sei unangemessen und kontraproduktiv. Unter den veränderten Vorzeichen ließen sich in Zukunft wohl kaum noch Freiwillige finden und Menschen, die Hilfe beim Regeln ihrer Angelegenheiten benötigen, würden zum verwalteten Vorgang degradiert.

Genau das Gegenteil war Ziel des 1992 in Kraft getretenen Betreuungsrechts: Alte und behinderte Menschen sollten in ihren Rechten gestärkt und nicht als anonyme Akten von einem Vormund geführt werden. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg richtete damals, wie andere Kreise auch, eine Betreuungsstelle ein, die für die verantwortungsvolle Aufgabe engagierte Frauen und Männer suchte und auch fand. Aktuell sind im Land kreis rund 90 ehrenamtliche Betreuer tätig. Vom Vormundschaftsgericht ernannt, kümmern sie sich um die Interessen von insgesamt 170 Klienten, ordnen beispielsweise deren Finanzen, organisieren ambulante Dienste oder suchen einen geeigneten Heimplatz und lösen die alte Wohnung auf, unterstützen in gesundheitlichen Fragen oder erledigen Behördengänge. Über das unbedingt Notwendige hinaus widmen sich die Ehrenamtlichen auch dem persönlichen Wohlergehen, kommen oft zu Besuch undbringen den ihnen anvertrauten Personen freundschaftliche Zuwendung entgegen. Häufig, vor allem für alleinstehende Heimbewohner, verkörpern die Betreuer den einzigen Kontakt zur Außenwelt und sorgen wenigstens für ein bisschen Abwechslung in deren Alltag. Bisher bekommen Betreuer eine Unkostenpauschale von 312 Euro im Jahr, in Zukunft sollen sie nur noch 180 Euro erhalten. Nach Einschätzung der Koordinierungsstelle im Land ratsamt sind die tatsächlichen Ausgaben unter anderem für Porto, Telefongebühren und Fahrtkosten mit 15 Euro pro Monat kaum zu decken; die Betreuer müssten praktisch noch draufzahlen. " Das ist demotivierend", sagt Kreismitarbeiterin Elke Stark. "Wie sollen wir da neue Kräfte gewinnen?" Berufsbetreuer, zum Beispiel Anwälte, Ärzte oder Sozialarbeiter, die Hilfsbedürftige rechtlich vertreten, erhalten für ihre Leistung 32 Euro je Stunde, wobei nur die unbedingt erforderlichen ätigkeiten abgerechnet werden dürfen. Sie kümmern sich jeweils um mindestens elf, teilweise um mehr als 60 Klienten. Im Landkreis sind für insgesamt rund 3400 Menschen Betreuer eingesetzt. Größtenteils, in 2500 Fällen, handelt es sich dabei um Angehörige, in knapp 750 Fällen stehen Berufsbetreuer, in den übrigen Fällen engagierte Ehrenamtliche den Betroffenen zur Seite.

db

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