Presse-Archiv 2003

Kreiskommunen wirken bei Pockenschutzimpfung mit

Für den Ernstfall gerüstet

28.03.2003

Darmstadt-Dieburg - Der Landkreis ist auf das eventuelle Schreckensszenario "Pocken in Deutschland" gut vorbereitet. Dies wurde bei einem Gespräch zwischen Vertretern der Kreis-Kommunen, dem Landratsamt, dem Katastrophenschutz und dem Gesundheitsamt deutlich. Wie Landrat Alfred Jakoubek den Bürgermeistern und den Pockenschutz-Beauftragten mitteilte, habe man entsprechend der Vorgaben des Bundes reagiert und einen Einsatzplan aufgestellt, in dem auch das Mitwirken der Städte und Gemeinden des Kreises festgelegt ist. Der Landrat wies eindringlich darauf hin, dass diese Planung ohne jeglichen realen Hintergrund geschehe, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der letzte Pockenfall sei vor rund 30 Jahren in Somalia aufgetreten. Kernstück der Planung ist, dass die Bevölkerung innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten eines Pockenfalls geimpft werden muss. Dazu werden im Landkreis unter Federführung des Gesundheitsamts Impfstätten eingerichtet, die Kommunen stellen dazu Hilfs- und Ordnungspersonal. Im aktuellen Einsatzplan sind zehn Impfstätten vorgesehen, in einem weiteren Gespräch mit den Bürgermeistern soll jedoch geklärt werden, ob noch weitere eingerichtet werden können. Drei Schichten gewährleisten einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb der Impfstätten, pro Schicht sind hundert Personen im Einsatz - angefangen bei den Ärzten, die sich hauptsächlich aus niedergelassenen Medizinern rekrutieren, bis hin zum Reinigungspersonal oder bis zum Dolmetscher. Von den Kommunen sind dabei nach derzeitigem Stand allein 52 Personen zu stellen - ein Aufwand, der letztlich nur mit vielen Freiwilligen erledigt werden kann. Der Landrat und die Bürgermeister hoffen daher, dass sich viele Helfer auf den Rathäusern melden. Die Bevölkerung wird im Ernstfall aufgefordert, beim Gang zu den Impfstätten öffentliche Nahverkehrsmittel zu benutzen. Dr. Georg Hoffmann vom Gesundheitsamt erläuterte, dass sich die Impfmethode geändert hat. Die zwei Messerritze in den Oberarm gehören der Vergangenheit an, der Impfstoff wird jetzt mit einer zweispitzigen Nadel unter die Haut gespritzt. Dabei wird viel weniger Impfstoff als früher üblich verabreicht. Nach der Impfung ist darauf zu achten, dass die Impfviren nicht auf andere übertragen werden. Man sollte die Impfstelle erst dann wieder anfassen, wenn sie trocken ist beziehungsweise wenn der Schorf abfällt. Schwimmbad oder Saunabesuche sind direkt nach einer Impfung auch nicht empfehlenswert. Auf eine Impfung verzichten sollten Patienten mit Immunschwächen, Schwangere, Cortisonanwender oder Menschen, die an einer Erkrankung des zentralen Nervensystems leiden. Nebenwirkungen sind nach Auskunft des Arztes vom Gesundheitsamt relativ gering. Jüngste Erfahrungen bei amerikanischen Soldaten, die vor dem Irakkrieg geimpft wurden, haben dies gezeigt. Von 100 000 Geimpften seien lediglich drei Prozent durchschnittlich 1,5 Tage krank geschrieben worden. Bei Militärangehörigen, die bereits zum zweiten Mal in ihrem Leben geimpft wurden, lag die Quote sogar nur bei 1,5 Prozent. Landrat Alfred Jakoubek betont, dass man mit der Erstellung beziehungsweise der weiteren Aktualisierung des Einsatzplans keine Panik schüren will. Viel mehr geht es darum, für einen eventuellen Ernstfall die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Bevölkerung umfassend und schnell versorgt wird. "Je mehr Menschen geimpft werden, umso größer ist der Impfschutz für alle Bürgerinnen und Bürger", bekräftigt Dr. Georg Hoffmann. pt

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