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Aktuelle Nachrichten aus Darmstadt-Dieburg

Anna-Freud-Schule in Weiterstadt feierlich benannt

Peter Petersen war nachweislich Rassist

01.07.2010

Schule für Lernhilfe in Weiterstadt heißt nun Anna-Freud-Schule.

Darmstadt-Dieburg – Die einstige Peter-Petersen-Schule für Lernhilfe in Weiterstadt ist nun offiziell in Anna-Freud-Schule umbenannt worden. Kreisbeigeordneter Christel Fleischmann überreichte der Schule die Urkunde dafür im Rahmen einer Feier. Bereits vor einem Jahr hatte Fleischmann sehr schnell auf die Forschungsergebnisse des Frankfurter Wissenschaftlers Benjamin Ortmeyer reagiert, der nachweisen konnte, dass der lange hoch gelobte Reformpädagoge den Nationalsozialismus ideologisch unterstützt und auch nach 1945 weiter rassistische Inhalte veröffentlicht hat.

Schulleiter Peter Roßmann informierte sein Kollegium umgehend über den Hinweis des Schuldezernenten. Unter Beteiligung von Schülerinnen, Schülern und Eltern begann sowohl eine Auseinandersetzung mit der Biografie und den Werken Peter Petersens als auch die Suche nach einem neuen Namen. Bereits Ende Juni 2009 stimmten Gesamtkonferenz, Klassenrat und Schulkonferenz dem Vorschlag „Anna-Freud-Schule“ zu, der Kreisausschuss gab sein Plazet einen Monat später.

Schülerinnen und Schüler der Förderschule machten bei der Umbenennungsfeier im Dialog mit Benjamin Ortmeyer die menschenverachtenden Ideen Petersens anschaulich. Sie zeigten auch auf, warum sie sich für die Tochter Sigmund Freuds als Namensgeberin entschieden haben. „Anna Freud ist für unsere Schulgemeinde eine Person, die zunächst als Lehrerin gearbeitet hat, die vor dem Nationalsozialismus nach England auswich und die dort eine pädagogische Praxis der Frühförderung vertrat und umsetzte, in der Eltern und Pädagogen zum Wohle des Kindes eng und dauerhaft zusammenarbeiten“, heißt es in der Begründung.

Benjamin Ortmeyer unterstrich bei einem Vortrag, den er aus Anlass der Schul-Umbenennung am Fachbereich Erziehungswissenschaft der TU Darmstadt hielt, dass mehr als ein dutzend Schulen und Plätze in Deutschland nach Peter Petersen benannt waren und sind. Die Weiterstädter Schule sei im letzten Jahr als erste umbenannt worden, danach folgten weitere. Petersen galt laut Ortmeyer als der Vater der Reformpädagogik, der Erziehung mit seinem Jena-Plan Erziehung neu definierte. Lehrpläne sollten demnach erstellt, in altersübergreifenden Arbeitsgruppen gelernt und die Rolle der Lehrer zurückgenommen werden. Bis Ortmeyer im Jahr 2009 sein Buch „Mythos und Pathos statt Logos und Ethos“ herausgab, hat es keine umfassende Erforschung sämtlicher Publikationen Peter Petersens gegeben. Ortmeyer stellte dar, dass Petersens Werke durchzogen sind von Antisemitismus und Rassismus, der Eugenik und Aufzucht proklamiert. „Weil es dem Juden unmöglich wird, unsere Art innerlich mitzuerleben, so wirkt er in allem, das er angreift für uns zersetzend, verflachend, ja vergiftend“, zitiert Ortmeyer Petersen. Petersen lobte Adolf Hitler als „Volkserzieher“, im Auftrag von Heinrich Himmler hielt er ausgerechnet im KZ-Buchenwald einen Vortrag mit dem Titel „Wissenschaft im Dienst des Lebens – Erziehungswissenschaft der Gegenwart“. Noch 1946 spricht Peter Petersen in der zweiten Auflage seines Jena-Plans vom „brauchbaren Hilfsschulkind“, was nach Ansicht von Ortmeyer auch das nicht brauchbare Hilfsschulkind nahe legt.

„Gerade vor diesem Hintergrund sehe ich es als einen Riesenerfolg an, dass unsere Förderschule in Weiterstadt sich so schnell umbenannt hat“, sagte Schuldezernent Christel Fleischmann. Dass auf den Judenhasser nun der Name der Jüdin Anna Freud folge, setze Zeichen gegen jede Form von Rassismus, so Fleischmann.

 

jj

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