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17.4.2014

Das Schloss Heiligenberg in Seeheim-Jugenheim

Eingang Schloss Heiligenberg
Eingang Schloss Heiligenberg

Konzerte, Ausstellungen, ein Spaziergang im Park oder der Besuch des Cafés im südlichen Flügel des Schlosses lohnen einen Ausflug auf den Heiligenberg, auf dem das gleichnamige Schloss auf einer Höhe von 120 Metern östlich von Jugenheim liegt. Nicht nur der Blick von da oben in die Rheinebene lässt den Atem stocken, sondern auch die reichhaltige Geschichte, die hier in lokaler, regionaler und internationaler Spielweise Spuren hinterlassen hat, die bis heute zu bestaunen sind.

Erbstreit, Mord und Verwahrlosung

1769 wurde Carl Franz Joseph Freiherr von Hausen und Gleichenstorff vom Mainzer Kurfürsten mit dem Heiligenberg belehnt. Einer seiner Nachkommen, Friedrich Carl verpachtete um 1795 bis zur Klärung eines Erbstreites den Heiligenberg an die Gemeinde für Viehhaltung. Es gelang ihm jedoch nicht, die Streitigkeiten beizulegen. Er wurde gar 1802 unter mysteriösen Umständen er-mordet. Seine Witwe war mit der Hinterlassenschaft wohl überfordert und konnte sich nicht um den Heiligenberg kümmern. Bereits ein halbes Jahr nach dem Tode ihres Mannes trat der Hofkammerrat und spätere Finanzminister August Konrad von Hofmann wegen der ausstehenden Pacht klagend gegen die Familie auf. Der Besitz war durch den Reichsdeputationshauptschluss an den Großherzog von Hessen gefallen und der Hofkammerrat sollte die Verhältnisse ordnen. Das gestaltete sich als nicht so einfach, das Gelände wurde auch als wenig wertvoll eingeschätzt und war völlig verwildert. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit dem Badischen Hof bekam von Hofmann den Heiligenberg zur Belohnung geschenkt.
Doch die Eigentumsrechte der Familie von Hausen waren noch nicht erloschen. Erst als sie 1811 eine Verzichtserklärung unterschrieb, konnte von Hofmann auf dem Heiligenberg bauen. Die Gutsgebäude entstanden zwischen 1814 und 1816, vermutlich hat der Baumeister Georg Moller daran mitgewirkt.
Die Gebäude: Wohnhaus, Schuppen, Scheuer und Stall, Waschküche, Schweineställe und ein Brennhaus mit Schnapsbrennerei belegen eine landwirtschaftliche Nutzung. Hofmann kaufte weitere 33 Parzellen sowie 4 Morgen vom Pfarrgut oberhalb der Kirche dazu und legte ausgedehnte Obstanlagen und Weinberge an. Er ließ die Außenanlagen gestalten und richtete die Klosterruine her.

Schlossansicht

Erbgroßherzogin Wilhelmine kauft Hofgut auf dem Heiligenberg

1827 verkaufte von Hofmann seinen Besitz Heiligenberg an die Erbgroßherzogin Wilhelmine. Sie machte den Heiligenberg für sich und die Familie zu einem Sommersitz, wo sie mit ihren Kindern gerne weilte. Ihre jüngsten Kinder Alexander und Marie verlebten dort schöne Kindertage. Als 1830 der Großherzog starb, folgte ihm sein Sohn als Ludwig der II. auf den Thron. Wilhelmine hatte nun mehr Mittel, um den Heiligenberg für Besucher und ihr Gefolge auszubauen. Um 1831 begannen die Umbauten durch den hessischen Oberbaudirektor Moller. An das Vorderhaus kam ein zweigeschossiger Anbau (herrschaftliches Schlafzimmer im Hauptgeschoss mit Kamin und Ofen) und zur Rheinseite ein Balkon mit Überdachung. Gegenüber dem bisherigen Wohnbau entstand ein neues Hinterhaus mit Schlafzimmern, Weinkeller, Pferdeställen und Zimmern für die Stallbediensteten. Der neue Bau wurde durch bogenförmige Mauern mit den bisherigen Wirtschaftsflügeln verbunden. Im Nordosten entstanden sechs von außen zugängliche Schweineställe und in der Mitte des Hofes ein neuer Brunnen. Der alte Waldbrunnen kam an die Mauer zwischen Neubau und Einfahrt. An den alten Wohnbau wurde zur Rheinseite noch eine Terrasse mit gusseiserner Laube angefügt. Die Großherzogin hatte das Landgut zu einem fürstlichen Sommersitz umgestaltet und hielt sich mit der Familie mindestens 3 Monate im Jahr auf dem Heiligenberg auf.

Alles was für diese Zeit nötig war, wurde von den Jugenheimer Händlern geholt. Wilhelmine erfreute sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Sie sorgte sich um die Armen, Alten und Kranken, stiftete viel Geld für wohltätige Zwecke und verteilte Weihnachten im Dorf Geschenke an die Armen. Ihr Lieblingsplatz war dort, wo heute das Goldene Kreuz steht. 1830 ließ sie aus den Resten der abgerissenen Gronauer Kirche auf den Fundamenten der Klosterkapelle eine künstliche Ruine errichten. Sie starb 1836.

Bedeutende Stätte für Zarin Marie und Zar Alexander von Russland

Der Heiligenberg ging als Erbe an den Prinzen Alexander. Seine Schwester Marie sollte bis zu ihrer Verheiratung Mitbesitzerin sein. Beide waren gern auf dem Heiligenberg und hingen sehr aneinander. Als die Großherzogin starb, waren sie 13 und 12. Auch nach Maries Hochzeit mit dem russischen Thronfolger 1841 in Petersburg und dem Eintritt Alexanders in das Regiment der russischen Kaiserin weilten beide im Sommer immer wieder gern mehrere Wochen auf dem Heiligen-berg. Die Zarin Marie war mit dem russischen Zarenhof ab 1857 fast jährlich dort. Insbesondere durch die Besuche des russischen Zarenpaares wurde das Schloss zur bedeutenden Stätte wichtiger politischer Ereignisse.
Nachdem ein durch Georg Moller 1846 geplanter Umbau nicht zur Ausführung kam, entschloss sich Prinz Alexander zu weiteren Umbaumaßnahmen, die zwischen 1863 und 1877 nach Plänen von Moller ausgeführt wurden. Daraus ergab sich die heutige geschlossene Hofanlage in nachklassizistischer Architektursprache: Ein winkelförmiges Hauptgebäude, flankiert von zwei Türmen mit vorgelagerten Terrassen. Nach Süden ist ein zweigeschossiges Gebäude mit Festsaal gerichtet und im Osten befindet sich das Wohnhaus für Bedienstete. Es ist durch einen rundbogigen Anbau mit dem Haupthaus verbunden.

Schlossansicht

Der Heiligenberg wird zum Park

1851 heiratete Prinz Alexander eine Hofdame seiner Schwester, Julie von Hauke und stieß damit auf den Widerstand des Zaren und Verwunderung bei seiner Familie. Er wurde auf den Heiligenberg verbannt und musste auf die hessischen Thronfolgerechte verzichten. Vom Großherzog bekam er allerdings den Namen „Battenberg“ verliehen, Julie wurde 1858 zur Prinzessin von Battenberg.
Sie vollendeten 1878 die Bauarbeiten für den neuen Fahrweg zum Schloss. In diesem Zusam-menhang ließ der Prinz  viele neue Bäume anpflanzen, auch seltene Gehölze. Der Heiligenberg wurde zu einem schönen Park.
Auch die Battenbergs waren gern in Jugenheim. Die Anlagen standen damals jedermann offen. Kurgäste und Jugenheimer konnten im Park spazieren gehen und die Aussicht genießen. Man kam zudem hier zwanglos mit den Heiligenbergern zusammen. Es gab sogar einen Vertrag, in dem festgehalten war, dass die Tore zum Gelände nie verschlossen sein sollten.
1888 starb Prinz Alexander. Prinz Ludwig übernahm als ältester Sohn den Besitz. Seine Mutter Prinzessin Julie von Battenberg wählte dort ihren Alterssitz und lebte zurückgezogen im Schloss.


Wechselvolle Besitzverhältnisse

1904 wurden Renovierungsarbeiten im Schloss von Joseph Maria Olbrich geleitet. Im Auftrag der Prinzessin Victoria von Battenberg führte Regierungsbaumeister Adolf Zeller 1906 umfangreiche Grabungen in der Klosterruine durch. Dabei konnten die Grundrisse der Klosterkirche und eines großen Teils der Gebäude rekonstruiert werden.
1922 wurde das Schloss Heiligenberg Privatbesitz. Die neuen Besitzer schienen aber kein rechtes Interesse am Heiligenberg zu finden und ließen das Anwesen verwildern. Bis 1933 kamen erhebli-che Rückstände an Gemeindesteuern zusammen. Eine Zwangsversteigerung wurde abgewendet, als die Gemeinde 1934 auf die Steuern verzichtete, unter der Voraussetzung dass der Staat das Schloss erwarb. So wurde der Volksstaat Hessen Eigentümer. Das Schloss wurde umgebaut und 1936 dort die Haushaltungsschule und BdM-Führerinnenschule eingerichtet.1940 befand sich dort vorübergehend ein Lazarett.
Nach dem Krieg waren die Räume des Schlosses völlig ausgeplündert, so dass nichts von der Innenausstattung erhalten geblieben ist.
Ende 1945 eröffnete das Pädagogische Institut Jugenheim auf dem Heiligenberg. 1967 zog das Pädagogische Fachinstitut ein und wurde später der FH Darmstadt zugeordnet. Dieser Instituts-zweig wurde jedoch wieder aufgelöst. Die Gebäude auf dem Heiligenberg standen leer. Seit 1946 war es Pädagogisches Institut, 1978 Außenstelle des Hessischen Instituts für Lehrerfortbildung, 2005 bis 2011 des Amts für Lehrerbildung.

Anfang 2013 übernahm die Stiftung Heiligenberg die Verwaltung des Schlosses und sorgt mit Kultur und vielerlei Veranstaltungen für eine Belebung des Areals. Mit dem Land Hessen wurde ein langfristiger Vertrag abgeschlossen.

Weitere Informationen:
www.seeheim-jugenheim.de

Stiftung Heiligenberg Jugenheim
http://www.heiligenberg-jugenheim.de