Gewalt gegen Frauen ist tief verwurzelt in den gesellschaftlichen Vorstellungen (Rollenbildern), wie Frauen und Männer sich zu verhalten haben und ist Ausdruck von fehlender Gleichstellung.
Jungen lernen nach wie vor schon im Kindesalter, dass Gewalt ein legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen oder zur Verteidigung ihrer Ehre ist. Männer, die zu Tätern werden, greifen bei Konflikten auf diese früh erlernten Muster zurück.
Mädchen lernen nach wie vor im Kindesalter, ihre Bedürfnisse zurück zu stellen, sich anzupassen, hilfsbereit zu sein und sich weniger zuzutrauen. Gewalt ist für Mädchen ein Tabu.
Männliche Überlegenheitsvorstellungen sind ebenso Teil unseres gesellschaftlichen Erbes: bis 1957 gab es im BGB einen „Gehorsamsparagraphen“, der dem Mann in einer Ehe maßgebliche Rechte verbriefte. Das in unserer Gesellschaft noch tief verankerte „Ernährer-Modell“ trägt ebenfalls dazu bei, dass ökomische Abhängigkeiten Männern das Gefühl von Überlegenheit, Macht und Kontrolle in der Beziehung zu ihrer Partnerin geben.
Frauen werden in unserer Gesellschaft nach wie vor und ganz alltäglich in vielfältigsten Formen abgewertet und als weniger intelligent, weniger durchsetzungsfähig, weniger selbstbewusst, weniger erfolgreich, weniger charismatisch (…) dargestellt.
Daher nehmen sich Männer das Recht, ihre Partnerinnen zu „erziehen“, zu züchtigen bis hin dazu, ihnen das Recht auf Leben abzusprechen und sie zu töten.
Deshalb reicht es nicht, Frauen Schutz und Hilfe bei Gewalt zu gewähren. Unsere Gesellschaft muss dahin kommen, dass Männer gar nicht mehr auf die Idee kommen, sie hätten das Recht, sich über Frauen zu erheben. Das Ziel: echte Gleichstellung!