Pressemitteilungen
Netzwerktreffen Frühe Hilfen rückt häusliche Gewalt und ihre Auswirkungen auf Kinder in den Fokus
Darmstadt-Dieburg. Rund 80 Fachkräfte aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Beratungsstellen und Verwaltung haben am Netzwerktreffen Frühe Hilfen im Kreishaus Darmstadt teilgenommen. Die Veranstaltung fand in enger Kooperation und Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Wissenschaftsstadt Darmstadt statt.
Häusliche Gewalt in Familien
Im Mittelpunkt des Treffens stand das Thema häusliche Gewalt in Form von Partnerschaftsgewalt und deren Auswirkungen auf Kinder. Einen detaillierten Fachvortrag hielten Referentinnen des Vereins Frauen helfen Frauen e. V.. Sie machten deutlich, dass Gewalt zwischen Partnerinnen und Partnern nicht nur die unmittelbar betroffenen Erwachsenen betrifft, sondern immer auch Kinder. Auch wenn Kinder die Gewalt nicht direkt beobachten, nehmen sie Spannungen, Angst und Unsicherheit im familiären Umfeld wahr und sind dadurch mitbetroffen.
Gewalt wirkt bereits vor der Geburt
Die Referentinnen erläuterten anschaulich, dass Gewalt bereits während der Schwangerschaft gravierende Folgen haben kann. Chronischer Stress, Angst und Gewalt wirken sich nachweislich auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes aus und können langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns, Bindungsfähigkeit, Emotionsregulation und Gesundheit haben. Auch Kinder, die häusliche Gewalt miterleben, gelten als Betroffene und sind einem erhöhten Risiko für Traumafolgestörungen und Entwicklungsbeeinträchtigungen ausgesetzt.
Fachkräfte gezielt sensibilisieren und Handlungssicherheit stärken
„Häusliche Gewalt ist ein Thema, das in allen Arbeitsfeldern der Frühen Hilfen eine Rolle spielt – oft auch dort, wo es nicht sofort sichtbar ist“, betonte Leandra Hardt von der Fachstelle Frühe Hilfen des Landkreises Darmstadt-Dieburg. „Umso wichtiger ist es, Fachkräfte zu sensibilisieren, ihre Wahrnehmung zu schärfen und ihnen den Zugang zu den Fachstellen des kommunalen Hilfesystems zu erleichtern.. Das Netzwerktreffen bietet dafür einen geschützten Raum und wertvolle fachliche Impulse.“
Aktuelle Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit
Die hohe Relevanz des Themas unterstreichen auch aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamts: Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 171.069 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt, 94.873 Personen waren von innerfamiliärer Gewalt, also Gewalthandlungen zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern oder anderen Angehörigen, betroffen. Besonders alarmierend ist, dass Kinder zwischen sechs und 14 Jahren die am stärksten betroffene Altersgruppe bei innerfamiliärer Gewalt darstellen. Zudem ist sowohl bei der Partnerschaftsgewalt als auch bei der innerfamiliären Gewalt ein deutlicher Anstieg von Straftaten im digitalen Raum zu verzeichnen.
Gemeinsame Verantwortung von Stadt und Landkreis
Christel Sprößler, Sozial- und Jugenddezernentin des Landkreis Darmstadt-Dieburg, unterstrich die gemeinsame Verantwortung von Stadt und Landkreis:
„Kinder brauchen Schutz, Sicherheit und verlässliche Beziehungen. Häusliche Gewalt gefährdet diese Grundlagen in erheblichem Maße. Prävention, frühes Erkennen und ein gut vernetztes Hilfesystem sind deshalb zentrale Aufgaben von Kommunen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt Darmstadt und Landkreis ist ein wichtiger Baustein, um betroffene Familien frühzeitig zu erreichen und zu unterstützen.“
Austausch und Vernetzung als Schlüssel der Prävention
Ein zentrales Anliegen des Netzwerktreffens war es, die Teilnehmenden für das Thema zu sensibilisieren und ihre Wahrnehmung zu schärfen. Fachkräfte sollen Warnsignale frühzeitig erkennen, Betroffene achtsam ansprechen und passgenaue Unterstützungsangebote vermitteln können.
Das Netzwerktreffen Frühe Hilfen bietet regelmäßig Raum für fachlichen Austausch, Vernetzung und Weiterbildung. Ziel ist es, gemeinsam mit kommunalen Partnern und freien Trägern die Präventions- und Unterstützungsstrukturen für Familien weiter zu stärken – insbesondere dort, wo Kinder besonderen Risiken ausgesetzt sind.
mm
Bild: Rund 80 Fachkräfte im Kreishaus Darmstadt: Sensibilisierung und Wahrnehmungsschärfung im Fokus. (c) Matti Merker, Landkreis Darmstadt-Dieburg
Quelle: Häusliche Gewalt: Opferzahlen auf neuem Höchststand (9.2.2026)
https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html

