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Die Amphibienwanderungen starten: Bitte Fuß vom Gas
Darmstadt-Dieburg. Der Winter neigt sich dem Ende entgegen und das mildere Wetter ist der Startschuss für Amphibien, sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern zu machen. Manche legen Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück. Dabei überqueren sie auch vielbefahrene Straßen, was zum Tod vieler Tiere führt. Untersuchungen haben ergeben, dass schon bei einer Verkehrsdichte von 60 Autos pro Stunde 90 Prozent der wandernden Erdkröten tödlich verletzt werden. Denn die Tiere können auch sterben, wenn sie nicht direkt überfahren werden: Bereits ab einer Geschwindigkeit von etwa 30 Stundenkilometern können Amphibien ein sogenanntes Barotrauma erleiden. Der Luftsog vorbeifahrender Fahrzeuge verursacht innere Verletzungen, an denen die Tiere sterben. Zum anderen ergeben sich durch die Wanderungen auch Risiken für die Verkehrsteilnehmer.
Mitarbeit statt Straßensperrungen
Deshalb appelliert der Fachbereich Landwirtschaft und Umwelt des Landkreises Darmstadt-Dieburg an motorisierte Verkehrsteilnehmer, ist in den nächsten Wochen besondere Vorsicht walten zu lassen. „Zum Schutz der wandernden Amphibien wird auch dieses Jahr wieder anstatt auf Straßensperrungen auf die Mitarbeit der Verkehrsteilnehmer gesetzt“, sagt Umweltdezernent und Vize-Landrat Lutz Köhler. Das Verringern der Geschwindigkeit an den Wanderhotspots trage maßgeblich zum Überleben der wandernden Amphibien bei. „Auch die Sicherheit der freiwilligen Helferinnen und Helfer, die jedes Jahr Amphibien neben der Straße aufsammeln und sicher auf die andere Seite bringen, erhöht sich dadurch“, so Köhler.
„Amphibien, wie die Erdkröte oder der Grasfrosch verbringen den Sommer, den Winter und die Fortpflanzungsphase oft in unterschiedlichen Lebensräumen, angepasst an ihre wechselnden Bedürfnisse“, erklärt Ben Weißmantel von der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises: „Jetzt im Vorfrühling sind sie in ihren Winterquartieren aus der Winterstarre erwacht und begeben sich zu Gewässern, um sich dort fortzupflanzen und ihre Eier abzulegen. Denn während der ersten Entwicklungsschritte leben die meisten Amphibien im Wasser. In dieser Zeit kann man sie in ihrer Form als Kaulquappen beobachten.“
Neun Wanderhotspots
Im Landkreis Darmstadt-Dieburg befinden sich neun Straßenabschnitte, die von besonders vielen Amphibien überquert werden. Bis Mitte April sollten Auto- und Motorradfahrer hier besonders aufmerksam sein, besonders während der Dämmerung und nachts sowie bei feuchtem Wetter. An diesen Stellen wurden Verkehrsschilder aufgebaut, welche auf die Amphibienwanderung hinweisen.
Die Wanderhotspots der Amphibien sind:
- Bachstraße zwischen Ober-Klingen und Hassenroth
- Zwischen Eppertshausen und Hergershausen auf der Höhe des Wasserwerks
- Zwischen Wald-Amorbach und Dorndiel um die Abzweigung nach Mömlingen
- An der Bundesstraße 3 zwischen Eberstadt und der Major-Plagge-Kaserne
- Bei Ober-Ramstadt auf der Odenwaldstraße zwischen Rückhaltebecken und Schlossmühle
- An der östlichen Ortsausfahrt von Raibach Richtung Dorndiel
- An der B26 östlich von Babenhausen auf der Höhe des Hasselsees
- An der Roßdörfer Straße nördlich von Ober-Ramstadt
- Zwischen Ober-Beerbach und Nieder-Beerbach, besonders an der Ortsausfahrt und im Wald
Lutz Köhler hebt das ehrenamtliche Engagement der Naturschützer hervor, die sich um den Schutz der Amphibien kümmern: „Ich bedanke mich bei allen Engagierten, die mit viel Einsatz Krötenzäune und Sammeleimer kontrollieren und die Amphibien sicher über die Straße bringen.“ Wer dabei helfen möchte, den Amphibien bei ihrer Wanderung über die Straße zu helfen, kann sich bei der örtlichen Nabu-Gruppe über den nächsten Sammeltermin informieren. Über die Website www.nabu-naturgucker-beobachtungen.de können zudem Funde von Amphibien gemeldet werden.
tb
Die Wechselkröte ist eine Besonderheit im Landkreis und gilt als stark gefährdet. Auch sie macht sich nun wie alle anderen Amphibien auf die Wanderschaft zu den Laichplätzen. Foto: Cara Schweiger


