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Regionalprojekt in Erzhausen: Wie Kontakte zu Vereinen helfen, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen
Darmstadt-Dieburg. Maksim Varchenko ist glücklich: Der 19-Jährige Ukrainer, der seit vier Jahren in Deutschland ist, hat beim vierten Regionalprojekt „Ich lebe und arbeite in Erzhausen“ teilgenommen und gleich einen Job ergattert: Beim Speeddating der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar wurde ihm vom Darmstädter Unternehmen Donges Steeltec eine Ausbildung zum Industrie-Mechatroniker angeboten. Der Vertrag ist bereits unterschrieben. Möglich gemacht hat ihm die Teilnahme Jobcoachin Corinna Polster von der Kreisagentur für Beschäftigung (KfB). Sie betreut das Projekt in Erzhausen, das noch bis September läuft. Maksim nimmt weiter daran teil, obwohl er sein Ziel bereits erreicht hat. Aber das Regionalprojekt biete so viel mehr, erzählt er: „Es hat mir auf viele Arten geholfen, nicht nur dabei, einen Job zu finden.“
Wir wollen keinen Drehtüreffekt.
Deshalb ist Maksim auch beim Tag der Möglichkeiten im Jugendzentrum dabei. Dort gibt es die Möglichkeit für die verbliebenen 19 von 25 Teilnehmern – die Teilnahme ist freiwillig – Kontakte zu örtlichen Vereinen zu knüpfen. „Arbeit ist nicht alles“, sagt Sozialdezernentin Christel Sprößler, „Es geht auch darum, vor Ort Fuß zu fassen, und auch darum, dass man sich mal gegenseitig in Dingen des Alltags unterstützt.“ Das sei zum einen in der Gruppe des Regionalprojekts gut möglich, zum anderen könne man so auch Kontakte im Ort finden, in dem man einen Job bekommen möchte. Beim Regionalprojekt in Erzhausen waren Teilnehmer aus sieben Nationen. „Wir wollen ja keinen Drehtüreffekt“, erklärt Christel Sprößler, „wir wollen niemand in Arbeit vermitteln, der dann drei Monate später wieder bei uns im Jobcenter steht, weil es nichts für ihn ist.“ Nachhaltigkeit sei das Stichwort. Und dazu müssen die Teilnehmer auch erstmal wieder Selbstvertrauen schöpfen.
„Es ist oft so, dass diese Menschen isoliert sind, sie kennen niemanden, und auf einmal sind sie wieder in einer Gruppe“, sagt KfB-Leiter Roman Gebhardt, „sie entwickeln sich in diesen Projekten extrem weiter. Und diese Entwicklung wollen wir fördern mit einem solchen Tag der Möglichkeiten. Nach längerer Zeit ohne Arbeit benötigen die Menschen wieder einen Anker, und den kann man auch über eine Tätigkeit im Verein finden.“
Sechs Vereine und Organisationen sind dabei
Das große Ziel ist natürlich, einen Job zu finden, betont Gebhardt. Es solle keine „Wohlfühloase“ geschaffen werden. Aber dort, wo man sich wohl fühlt und Kontakte hat, gehe man nicht so schnell weg. So die Erfahrung der KfB. Zehn Teilnehmer in Erzhausen haben bereits einen Job gefunden oder sind auf dem Weg dorthin, wie Claudia Goes, bei der Kreisagentur für Beschäftigung zuständig für die Regionalprojekte, erklärt. Sechs Vereine und Organisationen sind ins Erzhäuser Jugendzentrum gekommen, um sich und ihre Arbeit vorzustellen – und natürlich an kleinen Tischen in Einzelgesprächen Mitstreiter zu finden.
Maksim, der ja schon einen Ausbildungsplatz gefunden hat, hat auch bereits einen Kontakt geknüpft: Marion Klein vom Obst- und Gartenbauverein Erzhausen weiß nun, dass der junge Ukrainer auch ausgebildeter Imker ist.
„Sie alle brauchen ein Netzwerk“, sagt dann auch die Erzhäuser Bürgermeisterin Claudia Lange zu den Teilnehmern. „Dieses zu entwickeln, ist in der Gruppe schöner. Und über die Ehrenamtsarbeit in Erzhausen findet man auch Leute, die Kontakte für die berufliche Laufbahn haben.“ Alles in allem, so resümierte Lange, sei das Regionalprojekt „Ich lebe und arbeite in…“ ein Super-Projekt: „Wir führen es auch gerne fort.“
tb


