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Rheinstraßenbrücke: Landkreis und Griesheim fordern Klarheit von Bund und Bahn

Darmstadt-Dieburg / Griesheim. „Die Bahn lässt eine ganze Region im Ungewissen. Bevor die bestehende Brücke abgerissen wird, brauchen wir Klarheit darüber, wann der Neubau tatsächlich erfolgen kann. Es ist nicht akzeptabel, dass die Deutsche Bahn Zusagen macht, wieder einkassiert und die Kommunen mit den Folgen im Stich lässt“, erklärt Vize-Landrat Lutz Köhler.

Bislang war vorgesehen, die Bestandsbrücke zum Jahreswechsel 2027/2028 abzureißen. Dafür hatte das Bundesverkehrsministerium eine dreiwöchige Bahnsperrpause im Dezember 2027 zugesagt. Nach Angaben der Wissenschaftsstadt Darmstadt tauchen notwendige Oberleitungsarbeiten der DB InfraGO für 2027 in der aktuellen Planung von Bund und Bahn jedoch nicht mehr auf.

Die für 2030 geplante Korridorsanierung der Main-Neckar-Bahn zwischen Frankfurt und Heidelberg wurde von Bund und Bahn auf einen noch offenen Zeitpunkt nach 2031 verschoben. In dieses Zeitfenster waren bislang Sperrpausen eingebettet, die auch für den Neubau der Rheinstraßenbrücke benötigt werden. Somit gibt es derzeit keinen verbindlichen Zeitplan für den Abriss und den Neubau der Rheinstraßenbrücke.

Umliegende Verkehrswege schon heute stark belastet

„Davon sind nicht nur die Fahrgäste der Straßenbahn betroffen, sondern ebenso Pendlerinnen und Pendler, Unternehmen und Einrichtungen, die nun auf unbestimmte Zeit die Umleitung in Kauf nehmen müssen. Denn schon heute sind die umliegenden Verkehrswege stark belastet. Und natürlich betrifft diese Ungewissheit auch die Straßenbahn nach Griesheim, bei der wir nun nicht mehr wissen, wie lange sie noch fahren kann. Unser Ziel ist deshalb, die Straßenbahn so lange wie technisch vertretbar und sicher möglich fahren zu lassen und die Unterbrechung auf das notwendige Maß zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine enge Abstimmung mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt.“

Für Landrat Klaus Peter Schellhaas ist das Vorgehen der Bahn unerklärlich: „Es ist nicht hinnehmbar, dass ein wichtiger Teil des Oberzentrums mit Autobahnanschluss und die größte Kommune des Landkreises nicht wissen, wie es weitergeht. Diese Hängepartie kann weder den Kommunen noch den Menschen in der Stadt und im Landkreis zugemutet werden.“

„Mit dieser Planungsunsicherheit riskiert die Bahn, dass eine zentrale Verkehrsachse über Jahre ausfällt. Die Bahn trägt hier Verantwortung für die Verlässlichkeit ihrer Planung, und die muss sie endlich wahrnehmen“, so Köhler.

Mehrere Jahre Busse statt Bahnen drohen

„Die Sicherheit für einen möglichst langen Betrieb der Straßenbahn steht selbstverständlich an erster Stelle“, erklärt Griesheims Bürgermeister Geza Krebs-Wetzl. „Wenn die technischen Prüfungen einen Weiterbetrieb zulassen, sollte diese Möglichkeit aber genutzt werden. Solange die Brücke offen ist, kommen die Fahrgäste direkt und ohne Umsteigen ans Ziel.“

Für Griesheim hätte eine lange Unterbrechung erhebliche Folgen. Während der Bauphase muss die Straßenbahnverbindung voraussichtlich für mehrere Jahre durch Busse ersetzt werden. Damit der Ersatzverkehr so attraktiv wie möglich wird, kündigt Vize-Landrat und ÖPNV-Dezernent Lutz Köhler ein starkes Busangebot an: „Wir wollen umsteigefreie Busverbindungen von Griesheim in die Darmstädter Innenstadt sowie aus dem Ried direkt zum Darmstädter Hauptbahnhof anbieten. Ergänzend sollen Busse zwischen Griesheim und dem Hauptbahnhof verkehren. Auf dem gemeinsamen Abschnitt können wir so grundsätzlich einen dichten Fünf-Minuten-Takt mit Gelenkbussen gewährleisten.“

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Griesheim suchen deshalb den Schulterschluss mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt, um sich gemeinsam gegenüber Bund und Bahn für verlässliche Sperrpausen einzusetzen. Dabei müssen sowohl die Belange des öffentlichen Nahverkehrs als auch die Auswirkungen auf den Individualverkehr berücksichtigt werden. „Entscheidend ist, dass für die Menschen und Unternehmen in der gesamten Region endlich eine verlässliche Perspektive geschaffen wird“, sagt Landrat Klaus Peter Schellhaas.

mm / tb