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Stock-Stiftung ermöglicht sechs Jugendlichen Sprachreisen
Darmstadt-Dieburg / Seeheim-Jugenheim. Sechs Schülerinnen und Schüler aus dem Haupt- und Realschulzweig des Schuldorfs Bergstraße können sich dank der Christian-und-Anni-Stock-Stiftung auf eine Sprachreise nach Großbritannien freuen. Die Stiftung würdigt damit Jugendliche, die sich in besonderer Weise sozial und gesellschaftlich engagieren. Vize-Landrat Lutz Köhler, Vorsitzender der Stiftung, überreichte die Stipendien am 21. Oktober im Schuldorf Bergstraße.
Die Stipendiatinnen
In den Osterferien erhalten Alicia Feliz Kögel, Cennet Kirmizioglu und Elham Safi die Möglichkeit zu einer Sprachreise. Elham Safi holt dabei die bereits im vergangenen Jahr bewilligte Reise nach. In den Sommerferien folgen Emily Glock, Paulina Matheis und Simona Daniel.
„Wer eine fremde Sprache spricht, öffnet sich Türen zu anderen Menschen, Kulturen und Sichtweisen. Mit den Stipendien möchten wir junge Menschen ermutigen, diese Türen aufzustoßen“, sagte Köhler. „Die Jugendlichen, die wir auszeichnen, übernehmen Verantwortung und bringen sich für andere ein. Dieses Engagement verdient Anerkennung.“
Wie prägend eine Sprachreise ins britische Eastbourne sein kann, berichtete Asmin Polat, die im vergangenen Jahr ein Stipendium erhalten hatte. „Ich habe in dieser Zeit nicht nur sprachlich viel dazugelernt, sondern auch Selbstvertrauen gewonnen und neue Freunde gefunden“, sagte sie.
Schulleiterin Christina Martini-Appel betonte ebenfalls den Wert der Erfahrung: „Eine Sprachreise bedeutet, den Schulalltag hinter sich zu lassen, sich auf Neues einzulassen und über sich hinauszuwachsen. Wir sind stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler und danken der Stiftung, dass sie diese Erfahrung möglich macht.“
Festrede: „Lauft euren eigenen Marathon“
Die Festrede hielt Markus Phillip. Der Sportmoderator, der seit mehr als 15 Jahren im Fernsehen arbeitet und bis heute für die ARD-„Sportschau“ moderiert, sprach zunächst über seinen eigenen Weg: Er habe Lehramt studiert, sich aber schon früh als freier Mitarbeiter der Sportredaktion des Darmstädter Echo und als Moderator bei Sportveranstaltungen seiner Vereine versucht. Heute sei er, nur mit dem Abitur in der Tasche, „Quereinsteiger pur“. Seine Botschaft an die Jugendlichen: „Es ist im Beruf wie im Sport, es gibt nicht den einen, den einzig richtigen Weg. Jeder ist individuell und braucht manchmal vielleicht mehr Zeit oder eine andere Strecke, um an das persönliche Ziel zu kommen.“
Phillip, der selbst mehrere Marathons und Triathlons absolviert hat, zog immer wieder Parallelen zwischen Sport und Leben. Er sei seine Marathons stets mit einer langsameren ersten Hälfte angegangen und habe in der zweiten Hälfte überholt. „Verwechselt einen langsamen Start nicht mit einem schlechten Rennen“, riet er den Jugendlichen. Geprägt hätten ihn zudem seine Begegnungen bei den Paralympics: Dort habe er erlebt, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sind, unter denen Menschen ihre Ziele verfolgen – und wie falsch es wäre, allein daraus abzuleiten, was jemand erreichen kann.
Mut brauche es auch für die Reise nach Eastbourne, sagte Phillip. Schon die Bewerbung habe Überwindung gekostet: 350 Schülerinnen und Schüler hätten sich bewerben können, 40 hätten es getan. „Hättet Ihr nicht den Mut gehabt, wäret Ihr nicht ausgewählt worden. Also: Der Mut hat sich gelohnt.“ Für England gab er den Stipendiatinnen mit auf den Weg: „Seid neugierig. Stellt Fragen. Sprecht die Menschen an. Traut euch, Englisch zu sprechen – auch wenn nicht jeder Satz perfekt ist.“
Ein Stipendium sei „mehr als eine finanzielle Unterstützung“, so Phillip. „Es ist auch ein Vertrauensvorschuss und eine Art Belohnung.“ Zum Schluss wünschte er den Jugendlichen: „Lauft euren eigenen Marathon. In eurem eigenen Tempo. Mit euren eigenen Zielen.“
Stiftung erinnert an Christian und Anni Stock
Namensgeber der Stiftung ist der 1884 in Darmstadt geborene Christian Stock. Der gelernte Zigarrenarbeiter engagierte sich früh in Gewerkschaft und SPD und gehörte 1919 der Weimarer Nationalversammlung an. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor er sein Amt und wurde im Konzentrationslager Kislau inhaftiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Stock am demokratischen Wiederaufbau. Am 20. Dezember 1946 wählte ihn der Hessische Landtag zum ersten vom Parlament gewählten Ministerpräsidenten des Landes. Bis 1950 führte er die Landesregierung. Stock lebte später in Seeheim, wurde dort Ehrenbürger und starb 1967. Das Christian-Stock-Stadion neben dem Schuldorf Bergstraße erinnert bis heute an ihn.
Aus seinem Nachlass entstand Mitte der 1970er-Jahre die Christian-und-Anni-Stock-Stiftung. Nach dem Willen des Stifterehepaars zeichnet sie sozial und gesellschaftlich engagierte Schülerinnen und Schüler des Schuldorfs aus und ermöglicht ihnen besondere Bildungserfahrungen. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung Stipendien an mehr als 490 Schülerinnen und Schüler vergeben.
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