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15 Jahre Zentrum für Seelische Gesundheit an den Kreiskliniken

Darmstadt-Dieburg. Vor 15 Jahren ist das Zentrum für Seelische Gesundheit an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg eröffnet worden, um den Menschen im östlichen Teil des Landkreises Darmstadt-Dieburg eine gemeindenahe psychiatrische Versorgung zu bieten. Mittlerweise ist das Zentrum in der Region nicht mehr wegzudenken. Durch die zwei Staffeln der ARD-Dokuserie „Akutstation Psychiatrie“ ist das Zentrum für Seelische Gesundheit in Groß-Umstadt, wegen seiner Fassade auch „Grünes Haus“ genannt, in ganz Deutschland bekannt geworden. Los ging es mit der Einweihung der Tagesklinik Dieburg, danach konnten in Groß-Umstadt eine psychiatrische Station nach der anderen in Betrieb genommen werden, schildert Chefarzt Prof. Dr. Thomas Wobrock, der die Abteilungspsychiatrie aufgebaut hat. Ein Meilenstein in der Geschichte der Kreiskliniken. Dennoch gibt es immer noch Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen. „Deshalb haben wir uns auch entschieden, vor einiger Zeit die Serie zu ermöglichen“, sagt Prof. Wobrock, „wir wollten entstigmatisieren, aufklären.“ Auch vor der Eröffnung im Sommer 2011 gab es Vorbehalte von den Groß-Umstädtern, dass nun auch „die Verrückten“ auf dem Krankenhausbuckel behandelt werden, erinnert sich Prof. Wobrock. Inzwischen ist das Grüne Haus nicht nur aus dem Fernsehen bekannt, sondern vor allem wegen seiner Expertise in der Versorgung seines Einzugsgebietes, des östlichen Landkreises. „Es gab durch die Serie auch bundesweite Anfragen, aber wir sind ausgelastet“, erklärt Chefarzt Prof. Wobrock. „Wir können nur Patienten von außerhalb aufnehmen, wenn Platz ist.“ Das seien in der Regel aber nicht mehr als fünf Prozent der Behandlungskapazität.

76 Betten, verteilt auf drei Stationen

76 Betten, verteilt auf drei Stationen, hat das Grüne Haus, hinzu kommen 23 tagesklinische Plätze in Dieburg und eine Psychiatrische Institutsambulanz, in der komplexe Fälle behandelt werden, die über die Möglichkeiten eines niedergelassenen Facharztes hinausgehen, sowie eine stationsäquivalente Behandlung im häuslichen Umfeld (StäB) für derzeit bis zu vierzehn Patientinnen und Patienten. „Gerade mit der stationsäquivalenten Behandlung waren wir sehr früh dran, 2021 gab es nur noch wenige Kliniken, die dieses Angebot hatten“, sagt Prof. Wobrock. „Das ist aber nicht alles, was wir aufgebaut haben in den vergangenen 15 Jahren, wir sind sehr gut eingebunden in der Region, haben uns vernetzt und dezentrale Angebote geschaffen.“ So gibt es eine Kooperation mit der Kreisagentur für Beschäftigung für ein psychosoziales Coaching, bei der eine Psychologin als Lotsin fungiert, um arbeitslose Menschen, bei denen eine psychische Erkrankung vermutet wird, abzuklären und in eine Behandlung zu vermitteln, um dann wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. „Das gibt es in Deutschland nicht so oft“, sagt Prof. Wobrock. „Wir sehen uns in der Verpflichtung, für die Menschen im Landkreis die bestmögliche Versorgung zu bieten, auch für die Menschen, die durch das Hilfesystem sonst oft schwer erreicht werden“, sagt der Chefarzt. „Darüber hinaus sind wir im psychosozialen Beirat und im Plenum Psychiatrie vertreten, machen bei den Tagen der Seelischen Gesundheit mit, versorgen psychiatrisch die Tagesstätten der Caritas in Dieburg und Reinheim und kooperieren mit der Suchtberatung im Landkreis.“ Hinzu kommt die psychiatrische Betreuung von Einrichtungen der Besonderen Wohnform und des Betreuten Wohnens der REAS GmbH & Co. KG an den Standorten Asbach, Groß-Bieberau und Fischbachtal, die ambulante und stationäre Plätze für Menschen mit psychischen und seelischen Beeinträchtigung anbietet. Hierzu zählt auch die Kooperation im Bereich der Rehabilitation Psychisch Kranker (RPK), bei der das Zentrum die ärztliche Versorgung sicherstellt.

Auch eine gesellschaftliche Funktion

Die Entwicklung weiterer dezentraler Angebote soll laut Prof. Wobrock vorangetrieben werden, denn 15 Jahre nach seiner Eröffnung ist das Zentrum für seelische Gesundheit wichtiger denn je für die Versorgung des Landkreises. „Die Kapazitäten niedergelassenen Psychiater und Therapeuten werden weniger“, sagt Prof. Wobrock, „die Fachärzte fehlen.“ Die Versorgung in der Fläche wird auch durch die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehene Budgetierung schlechter. Deshalb werden wir alles, was wir tun können, um die Versorgung einigermaßen aufrecht zu erhalten, auch tun.“ Das Grüne Haus erfülle so auch eine gesellschaftliche Funktion: „Eine gute Psychiatrie sorgt dafür, dass die Leute sich im besten Fall selbstständig versorgen können und auch wieder arbeiten können“, sagt er.

Noch in den 1970er Jahren waren die Missstände in der psychiatrischen Versorgung eklatant: „Auf 300 Patienten kam in großen Landeskrankenhäusern, die örtlich weit weg vom Lebensmittelpunkt der Betroffenen waren, ein Arzt, die Betten waren festgeschraubt, die Pflege fungierte mehr als Wärter, therapeutische Angebote gab es kaum“, erzählt Prof. Wobrock. „Das hatte nichts mit moderner Psychiatrie zu tun.“ Ein Lösungsansatz war es, psychiatrische Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern zu etablieren, was in Hessen in der Krankenhausplanung im Zuge einer gemeindenahen psychiatrischen Versorgung auch berücksichtigt wurde. „So entstand das Zentrum für Seelische Gesundheit, welches die psychiatrische Versorgung von der Psychiatrie in Heppenheim übernahm“, erklärt der Chefarzt. Deshalb kam das Grüne Haus an die Kreisklinik in Groß-Umstadt. Seit 1. März 2011 war Prof. Wobrock involviert, kümmerte sich um Personalaufbau und Planung. „Ich saß zunächst im Altbau der Klinik in einem kleinen Räumchen, das auch mal als Lager diente“, erinnert er sich, „das Vorstellungsgespräch mit der leitenden Oberärztin Barbara Jost, die aus der Serie Akutstation Psychiatrie bekannt ist, wurde noch inmitten von Küchenutensilien geführt, die für die Aufenthaltsräume geplant waren.“ Der Unterschied zu den früheren Zuständen in den Landespsychiatrien war dem Chefarzt nicht nur wichtig, sondern ein echtes Anliegen. „Aber auch wir haben den Versorgungsauftrag, wegen Fremd- oder Eigengefährdung untergebrachte Betroffene zu behandeln. Wir nutzen zur Beobachtung in den Überwachungszimmern keine Glasfenster, sondern Überwachungskameras. Damit haben unserer Ansicht nach die Patienten mehr Privatsphäre“, sagt er.

Das Zentrum für Seelische Gesundheit entwickelt sich ständig weiter

Ihn habe es gereizt, eine völlig neue Abteilung aufzubauen, erklärt Prof. Wobrock. Zuvor hat er schon Tages- und Überganseinrichtungen an Universitätskliniken aufgebaut und war zuletzt Oberarzt an Psychiatrischen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen. „Ich bin in Frankfurt geboren, in der Nähe aufgewachsen, habe auch in Frankfurt Medizin studiert und in der Neurologie in Darmstadt gearbeitet, ich kannte also die Region“, erklärt er. „Und in Groß-Umstadt konnte ich nun eine Abteilung aufbauen, wie ich mir eine moderne Psychiatrie vorstelle.“ Die Entwicklung des Grünen Hauses ist damit aber nicht abgeschlossen. „Es ist ein stetiger Prozess, das Zentrum für seelische Gesundheit entwickelt sich ständig weiter“, sagt Prof. Wobrock.

„Und darauf sind wir auch besonders stolz“, erklärt Pelin Meyer, Betriebsleiterin der Kreiskliniken, „Prof. Dr. Wobrock hat hier etwas aufgebaut und weiterentwickelt, das keinen Vergleich zu scheuen braucht.“ Betriebsleiter Christoph Dahmen ergänzt: „Er und sein Team stellen seit 15 Jahren sicher, dass wir die bestmögliche Versorgung der Menschen im Landkreis anbieten können – und dass dies immer weiter ergänzt wird. Das ist der Anspruch der Kreiskliniken.“ Für Gesundheitsdezernentin Christel Sprößler ist das Grüne Haus ein Vorzeigemodell: „Es hätte auch keiner TV-Serie bedurft, um zu diesem Urteil zu kommen“, sagt sie, „denn die Serie hat ja nur abgebildet, was wir alle längst wussten: Dort wird gute Arbeit geleistet. Und ich bin mir sicher, dass dies auch in den nächsten 15 Jahren der Fall sein wird.“    

tb

Das Zentrum für seelische Gesundheit mit seiner markanten Fassade. Foto: Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg

Das Zentrum für Seelische Gesundheit an der Kreisklinik in Groß-Umstadt besteht seit 15 Jahren. Foto: Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg