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Grube Messel: mit dem Landkreis mehr Barrierefreiheit für alle
Darmstadt-Dieburg. Das Welterbe Grube Messel soll für noch mehr Menschen zugänglich werden. Gemeinsam mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg arbeitet die Welterbe Grube Messel gGmbH deshalb daran, in Museum und Grube Barrieren abzubauen. Bei zwei Begehungen haben Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen das Welterbe aus ihrer Perspektive unter die Lupe genommen und konkrete Hinweise für Verbesserungen gegeben.
„Wir reden nicht drüber, wir machen es einfach“, sagt der Geschäftsführer der Welterbe Grube Messel gGmbH, Philipe Havlik, zur Kooperation mit dem Landkreis. Die Initiative dazu ging vom kommunalen Behindertenbeauftragten des Landkreises, Dr. Zeljko Crncic, aus. Der sprach bei einem Besuch die Mitarbeitenden der Grube auf die Barrierefreiheit an – und stieß auf offene Ohren. „Zu meinen Aufgaben gehört ja auch, Informationen und Stellungnahmen zur barrierefreien Gestaltung öffentlich zugänglicher Gebäude und des öffentlichen Verkehrsraumes zu geben“, sagt Crncic, „und da lag es nahe, mit der Grube Messel Maßnahmen zur höheren Barrierefreiheit zu beginnen.“
Es ist eine Win-win-Situation
„Es ist eine Win-win-Situation“, sagt Geschäftsführer Havlik, „wir profitieren vom Know-how des Landkreises und können unseren Besuchenden mit Behinderungen ein tolles Erlebnis in der Grube Messel bieten – und Dr. Crncic hat den Landkreis dann wieder ein Stückchen mehr barrierefrei gemacht.“
Bei zwei Begehungen nahmen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen Museum und Grube genauer unter die Lupe. Zeljko Crncic, selbst blind, spricht von einer „informellen Fokusgruppe“, Havlik von einer „Expertenrunde“ aus gut einem Dutzend Menschen. „Das reichte von Rollstuhlfahrern über blinde und sehbehinderte Menschen, Gehörlose und Schwerhörige bis hin zu Menschen aus dem Autismus-Spektrum“, erklärt Crncic. Dabei wurden sowohl offensichtliche als auch weniger bekannte Barrieren sichtbar: Es fehlen etwa ein Blindenleitsystem und Rampen für Menschen im Rollstuhl. Für einige Personen können lange Schildertexte überfordernd sein, besser wären klar strukturierte Texte und Piktogramme. Im Museum erschwert Hintergrundmusik im hallenden Raum Schwerhörigen das Verstehen. „Hier wäre Schallschutz wichtig“, sagt Crncic. Für Blinde könnten erklärende Führungen oder Audio-Guides, die über Induktionsschleifen Informationen zum Aussehen der Exponate liefern, helfen.
Wir wollen niemandem etwas wegnehmen
„Es verlangt nun keiner, dass irgendetwas abgestellt wird“, betont Crncic, „wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Aber Alternativen zu entwickeln, das würde das Angebot viel mehr Menschen erschließen und würde eine öffentliche Institution mit einem Bildungsauftrag, wie es die Grube Messel eine ist, barrierefreier machen.“ Der Behindertenbeauftragte weiß aber auch, dass das alles Geld kostet. „Aber schon kleinere Veränderungen können einen großen Unterschied bewirken, damit die Ausstellung und die Grube für Menschen mit Behinderungen nutzbar wird“, sagt er.
Maßnahmenprotokoll erstellt
Gemeinsam mit Philipe Havlik und seiner Kollegin Mara Repp, die für die Organisation und Umsetzung der Inklusionsvorhaben zuständig ist, wurde ein Maßnahmenprotokoll erstellt. Es unterscheidet zwischen Sofortmaßnahmen sowie mittelfristigen und komplexen, langfristige Maßnahmen. „Und einige der kurzfristigen Maßnahmen haben wir bereits umgesetzt oder sind dabei, sie umzusetzen“, sagt Havlik. So wurden Schilder versetzt, der Notalarm auf der barrierefreien Toilette besser nutzbar gemacht und Wege in der Grube ausgebessert, damit Menschen im Rollstuhl besser vorankommen.
„Uns ist wichtig, die Hinweise aus den Begehungen ganz konkret in unseren Alltag zu übertragen. Wir schauen deshalb Schritt für Schritt, welche Maßnahmen wir kurzfristig umsetzen können und welche größeren Veränderungen wir langfristig vorbereiten müssen“, sagt Repp. „Die komplexen Themen sind vor allem die Bauthemen, da reden wir dann etwa von Leitsystemen“, sagt Havlik. „Es gibt ganz viele Ideen, aber es ist auch eine Finanzfrage, wie schnell wir diese Dinge umsetzen können.“
Dass der Maßnahmenkatalog in der Schublade verschwindet, komme nicht in Frage. „Wir haben ja ein reges Interesse daran, allen unseren Besuchenden ein tolles Erlebnis zu bieten. Und das meinen wir ernst“, sagt er. Es kommen immer mehr Menschen zum Welterbe – im letzten Jahr waren es mehr als 40.000 Besuchende. „Und es sollen sich alle bei uns wohlfühlen. Das ist unser Anspruch. Deshalb sind wir für die Kooperation mit dem Landkreis dankbar.“
tb
Dr. Zeljko Crncic (rechts) mit der informellen Fokusrunde bei der Begehung der Grube Messel. Hier im Museum. Foto: Mara Repp


